Grenzen des Offshorings?

Immigration und Offshoring nutzen wirtschaftliche Ungleichgewichte zwischen Ländern aus. Was passiert in Kombination mit Automatisierung und Robotern? Wo sind die Grenzen? Wer haftet für Risiken? Gedanken und Fragen aus Sicht eines Informatikers.

Immigration und Offshoring (Auslagerung von Arbeiten in entfernte Länder) nutzen beide wirtschaftliche Ungleichgewichte zwischen Ländern aus – die Immigration bringt die Leute zur Arbeit, das Offshoring bringt die Arbeit zu den Leuten. Die Immigration wird bei uns vor allem von der Politik gesteuert, das Offshoring von der Wirtschaft. Es wird interessant sein, in einigen Jahrzehnten zu beurteilen, was sich besser bewährt hat.

Heute werden vor allem in Daten verpackbare Dienstleistungen in Ländern wie Indien erbracht, wo die Bildungsniveau und die IT-Infrastruktur gut sind; Ostasien übernimmt eher die Herstellung von Gütern.

Wo sind die Grenzen des Offshorings? Gekoppelt mit Automatisierung, weiter als ich zuerst gedacht habe. Mit Robotern unterrichten  philippinische Lehrer off-shore koreanische  Schulklassen und werden ältere Menschen betreut. Der Google driverless Car  kann selbständig fahren. Die wohl ab und zu nötige Überwachung kann gut von irgendwo gemacht werden – falls gewünscht, im Schichtbetrieb rund um die Uhr. Dies liesse sich auch für Züge und Lastwagen realisieren – ein Operator könnte ein paar Lastwagen kontrollieren (geht bei Drohnen auch und dort ist’s heikler).

Was ist der Haken an der Geschichte? Die Haftung! Wer haftet, wenn der Lastwagen einen Unfall baut? Wie dick wird der Vertrag sein, der die Haftung ausschliesst, wenn ich etwas mit diesem Lastwagen versende oder empfange?  Werden sämtliche Einsparungen durch Anwälte und Justiz  zunichte gemacht? Oder durch den Staat, der regulierend eingreift?

Vielleicht werden Versicherungen eine viel bedeutendere Rolle spielen? Der Leistungserbringer könnte sich für verursachte Schäden versichern. Ebenso der Bezüger – falls ihn  die mangelnde Leistung wirtschaftlich oder existenziell bedroht. Mit Vorteil sollten beide beim selben Versicherer sein, der dann die Verträge prüft (und mit Big Data die Risiken schätzt – aber das ist ein anderes Thema). Die Verträge würden die Haftung nicht ausschliessen, sondern aufzeigen, was zur Verhinderung von Schäden unternommen wird. Ein Restrisiko bleibt beim Versicherer, aber das ist dessen Kernkompetenz. Das Modell kennen wir übrigens von obligatorischen Versicherungen für  Autofahrer und Hausbesitzer – geregelt sind dort die Ausbildung und die einzuhaltenden Standards und weniger die Haftungsausschlüsse.

Auch ICT-Verträge könnten davon profitieren: Mit Fokus auf das was wir tun, damit es klappt, statt auf Regelung des Schadens wenn es mal nicht reicht.

Wie seht ihr das? Ist die rechtliche Sicht die natürliche Grenze für Auslagerungen? Wird schlussendlich wie bei der Immigration die Politik entscheiden? Ist die Immigration die bessere Lösung, da die Vertragsgestaltung bekannt ist? Besonders interessieren würde mich natürlich die Meinung von Juristinnen und Versicherungs-Spezialisten.