Swisscom Innovationspreis 2013 – entscheide mit, wer gewinnt!

Wie die meisten von euch bereits wissen, veranstalten wir am 7. November 2013 wieder in Zusammenarbeit mit ICTnet den Swisscom Innovationspreis. Den Anlass haben wir hier bereits gebloggt, den letztjährigen Gewinner schon interviewt und nun ist es an der Zeit, euch die Finalisten vorzustellen! Insgesamt wurden 21 spannende Projekte eingereicht und von einem ausgewählten Expertenkreis bewertet. Die drei Finalisten stehen nun fest. In einem kurzen Interview erfahrt ihr, welche Projekte den Finaleinstieg geschafft haben und wer genau hinter den raffinierten Ideen steckt.

Projekt Nr. 1 „Gamified Mobile App für die Verbesserung von OpenStreetMap“

Wer steckt hinter Projekt Nr. 1?

Das Team hinter Kort, so der kurze Name unserer App, besteht aus Stefan Oderbolz und Jürg Hunziker. Wir sind 27 und 28 Jahre alt und haben im letzten Winter unser Informatikstudium an der Hochschule für Technik in Rapperswil mit dem Bachelor abgeschlossen. Jürg ist ein wahnsinniger Filmfreak und so trifft man ihn fast jede Woche im Kino, manchmal auch begleitet von mir, Stefan 🙂 Wenn wir mal nicht vor einer Leinwand oder unseren Computerbildschirmen sitzen, treten wir auch gerne auf dem Badmintoncourt gegeneinander an. Als Ausgleich zum Alltag bin ich auf der Laufstrecke, Jürg beim Skaten anzutreffen.

Worum geht es in eurer eingereichten Arbeit?

Unsere Arbeit hat zum Ziel, das Kartenmaterial von OpenStreetMap zu verbessern. Bislang war es so, dass es zwar jedem offen stand, bei diesem Projekt mitzumachen und Änderungen und Ergänzungen beizutragen, jedoch war die Einstiegshürde relativ hoch. Man musste beispielsweise das Karten-Vokabular lernen und verstehen – z.B. welche Tags gibt es und wie verwende ich sie richtig? Soll ich die Karte mit JOSM, Potlatch oder dem iD Editor bearbeiten? Dies hielt die Mehrzahl der User von einer aktiven Teilnahme an OpenStreetMap ab. Unsere Arbeit setzt hier an, indem wir eine App entwickeln, die es der breiten Masse ermöglicht, an OpenStreetMap mitzuarbeiten ohne über Vorwissen über Karten verfügen zu müssen. Um dem Benutzer die Aufgabe zusätzlich zu versüssen, haben wir verschiedene Gamification-Elemente eingebaut, wodurch die trockene Aufgabe vom Verbessern der Karte zu einem kompetititven Spiel geworden ist. Es gibt in Kort beispielsweise eine Highscore mit den besten Spielern oder Badges, welche man für verschiedene Achievements erhält.

kort-screenshot-mapDank Smartphones mit GPS-Empfängern wissen wir, wo sich ein Spieler aufhält und zeigen ihm locationabhängig Aufträge in seiner Umgebung an. Dies kann z.B. ein Supermarkt sein, dessen Name noch nicht erfasst wurde, oder die Angabe welche Länderküche ich beim Restaurant um die Ecke serviert bekomme. Die Aufträge beziehen wir dabei hauptsächlich von einem Projekt namens KeepRight. Technisch handelt es sich um Fehler oder Inkonsistenzen in OpenStreetMap, welche von KeepRight aus den OpenStreetMap Daten herausrechnet werden. Wir nehmen dann ein Subset davon und bereiten diese für unsere User so auf, dass er oder sie diese mit einer einfachen Eingabe lösen kann.

Wenn man vor Ort ist, kann man all diese Aufgaben schnell und einfach lösen. Dafür bekommt man dann Punkte, sogenannte “Koins” – die Währung innerhalb von Kort- und steigt entsprechend in der Rangliste auf. Um nur valide Lösungen zu bekommen, muss jeder Lösungsvorschlag von 3-5 anderen Spielern bestätigt werden. Für das Bestätigen bekommen diese Spieler wiederum auch Koins, so dass auch diese Aufgabe attraktiv bleibt.

Schlussendlich sollen dann die bestätigten Lösungen zurück zu OpenStreetMap geschrieben werden. Dass OpenStreetMap-Daten aktuell sind, kommt allen Usern zugute, beispielsweise nutzen viele Navigationsgerätehersteller unter anderem auch die kostenlosen und freien Daten von OpenStreetMap.

Ausprobieren kann man das Spiel übrigens mit dem Smartphone unter http://play.kort.ch

Hättet ihr damit gerechnet, das ihr ins Finale kommt? Wie fühlt ihr euch?

Wir wissen, dass es jedes Jahr ausserordentlich gute Arbeiten gibt und haben mit starker Konkurrenz gerechnet. Aber tatsächlich ins Finale zu kommen, hat uns positiv überrascht. Wir sind sehr glücklich, dies geschafft zu haben. Jetzt hoffen wir, auch noch die letzte Hürde zu knacken. Es ist schön, dass die viele Arbeit, die wir in dieses Projekt gesteckt haben, auch von aussen wahrgenommen wird. Kort und die Weiterführung dieses Projekts liegt uns sehr am Herzen, denn wir haben noch zahlreiche Ideen in der Pipeline, die wir gerne umsetzen möchten.

Projekt Nr. 2 „Design of a Wideband Analog-to-Information Converter for Cognitive Radio“

Wer steckt hinter Projekt Nr. 2?

Ich heisse David Bellasi und bin 32 Jahre alt. Mein beruflicher Werdegang ist etwas ungewöhnlich. Ich habe nämlich vor meinem Elektrotechnik und Informationstechnologie Studium an der ETH, einen Masterabschluss in Architektur an der Accademia di architettura in Mendrisio gemacht. Weshalb habe ich von Architektur zu Elektrotechnik gewechselt? Nun, ich war immer schon vielseitig interessiert und suchte das kompromisslose Extrem bei meinen Tätigkeiten. Einerseits hat mich die Architektur in ihrer Form als reine Kunst sehr fasziniert und auf der anderen Seite gefällt mir die unbeugsame Kraft der Naturgesetzte. Trotzdem bin ich ein praktischer Mensch und möchte handfeste Resultate meiner Arbeit sehen. Insofern unterscheiden sich die beiden Berufe eigentlich nicht. In beiden Fällen ist ein klares Konzept ebenso wichtig wie dessen exakte Umsetzung. Wer denkt, dass Ingenieurwissenschaften weniger von Intuition und Kreativität geprägt sind als Architektur, irrt sich gewaltig.

Worum geht es in deiner eingereichten Arbeit?

Die gegenwärtige Diskussion um die exorbitant hohen Preise für Mobilfunk-Konzessionen in Österreich zeigt deutlich, dass gewisse Bereiche des Frequenzspektrums hart umkämpft und dementsprechend teuer sind. Der Grund dafür ist, dass das Spektrum eine begrenzte natürliche Ressource ist und das Recht zu dessen exklusiver Nutzung erkauft werden kann. Nun ist es aber so, dass das Spektrum auf diese Weise nicht effizient genutzt werden kann. Ähnlich wie bei der Zweitwohnungsproblematik in der Schweiz, wo es viele Ferienwohnungen gibt, die die meiste Zeit des Jahres nicht benutzt werden. Mein Projekt basiert auf der Idee, dass man die vorhandenen Frequenzbänder mit anderen teilt. Dabei kann jeder die Frequenzbänder nutzen, wann immer er will, aber nur dann, wenn kein anderer sie gerade benutzt. Dazu braucht jeder ein Mobilfunkgerät, das erkennen kann, wann und auf welchen Frequenzen es senden und empfangen darf (ein sogenanntes “cognitive radio”). Meine Masterarbeit ist die Entwicklung des Bestandteils des cognitive radios, der es ermöglicht festzustellen, ob eine Frequenz belegt ist oder nicht.

Wer oder was hat dich motiviert, mitzumachen?

Henry Ford, ein sehr erfolgreicher amerikanischer Industrieller soll mal gesagt haben: “Enten legen ihre Eier in aller Stille. Hühner gackern dabei wie verrückt. Was ist die Folge? Alle Welt isst Hühnereier.” In diesem Sinne bin ich stolz auf meine Arbeit.  In unserer Zeit ist Anerkennung, speziell durch prestigeträchtige Wettbewerbe, ein wichtiger Bestandteil der Gesellschaft. Der Swisscom Innovationspreis ist eine wichtige Referenz in einer harten Branche wie der ICT.

Projekt Nr. 3 „Clustering IT events around common root causes“

Who is behind project number 3?

I am a 25 year old graduate with a bachelor of engineering in electronics and telecommunications from the University Politehnica of Bucharest, Romania, and a master of science in communication systems from the Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne. When I’m not an engineer, I dedicate my time to friends, cultural events, arts (especially literature), and nature (especially hiking in the mountains).

portrait Iulia CarjeuCan you explain us, what your submitted project is about?

My thesis contributes to an emerging paradigm in IT event management, namely solving root failures rather than individually alleviating their symptoms. The stepping stone of the problem is partitioning a stream of events (i.e., alerts) such that each partition unites all the events related to a single root cause, without a priori knowing what the root cause is, or even having an inventory of all possible root causes. In other words, this is an unsupervised learning problem of clustering in a heterogeneous feature space with numeric, binary, and categorical fields. My solution integrated, improved, and designed techniques for data mining, machine learning, and visualisation, eventually outperforming state-of-the-art methods.

What would you do with the prize money of 10’000 CHF?

Plenty. 😀 I think I have enough ideas to spend a 10`000 CHF award every three months. But I have two priorities: first refurbishing my childhood home, currently deserted and degrading fast while I am abroad living in a rented flat. I would like it to be inhabitable again such that other people may enjoy it; after all, I came out rather well from there. 😛 And second, help my sister have a beautiful wedding next year – she’s taking a PhD in engineering and that only pays off much later.

Wir lassen euch selbstverständlich nicht im Dunkeln tappen, was den Gewinner angeht. Um den Kreis zu schliessen, wird es nach der Innovationspreisverleihung vom 7. November 2013 einen letzten Beitrag zum diesjährigen Gewinner geben. Ich bin gespannt, wer das Rennen für sich entscheiden wird!

Du hast jetzt die Möglichkeit, deinem Favoriten unter die Arme zu greifen und online zu voten! Wer hat deiner Meinung nach den ersten Platz und somit die 10‘000CHF verdient?

Eure Stimme ist gefragt: das Resultat des Online Votings wird zusammgefasst eine eigene Jury-Stimme ausmachen.