Fun Is Not An Option

Neulich fand ich im Intranet einen Link zu unserer zuständigen Gewerkschaft, die eine Umfrage zum Thema «Work-Life-Balance» durchführte. Bei diesem Begriff fielen mir die Thesen des Extrembergsteigers Oswald Oelz ein, der letztes Jahr mit seinem mitreissendem Vortrag auf einem internen Event mich und meine Kollegen begeisterte: Der Begriff der «Work-Life-Balance» beruhe auf marxistischer Ideologie und suggeriere, dass Arbeit Last und nicht Lebensinhalt sei.

Nun, das gilt für uns Engineers sicher nicht, sind wir doch mit Herzblut und Leidenschaft dabei und sehen in jedem technischen Problem auch eine persönliche Herausforderung! Spass ist nicht optional, sondern integraler Bestandteil der täglichen Arbeit. (Diese Philosophie hat sich übrigens auch nördlich von Kalifornien noch nicht rumgesprochen, weswegen ernsthafte Engineers Macs verwenden und keine Windows-Rechner.)

Ich will (keinen) Spass!

Es gibt allerdings Möglichkeiten, dem entgegenzuwirken: Wenn du auf der Modewelle mitschwimmen, und von «Work-Life-Balance» über «Sabbatical» bis «Burn-Out» alles mitnehmen willst, habe ich folgende Tipps aus der Arbeitserfahrung für dich:

  1. Eine wirksame Methode seine Fähigkeiten einzuschränken, besteht darin, sich Ziele zu setzen. Vor allem die Terminziele (ich habe noch nie gehört, dass ein «sportlicher Zeitplan» eingehalten wurde) tragen zu einem hohen Frustrationserlebnis bei.
  2. Delegiere Arbeiten, die du problemlos und schnell selbst hättest erledigen können. Dein Mail-Postfach wird sich füllen und vor lauter Kontrollieren und Übersicht behalten wirst du wirkungsvoll von deiner produktiven Tätigkeit abgelenkt. Pro-Tipp: Man kann auch das Nichtstun delegieren!
  3. Sobald du in deinem Job einigermassen etabliert bist, kannst du das Mit- und Nachdenken einstellen. Meist finden sich genügend Kollegen, die deine wiederholten Fragen beantworten und sich freuen, wenn sie helfen können.
  4. Statt Probleme direkt anzugehen, organisiere Meetings in denen du mit anderen darüber diskutieren kannst. Lade zu diesen Meeting keine Fachleute ein! Diese kommen meist mit Lösungsvorschlägen und werden darüber hinaus keinerlei Mitleid haben.
  5. Bearbeite Mails zuhause und versende sie nach 22:00 Uhr, notfalls mit der «später senden»-Funktion des Mailprogramms, falls du gerade intensiven Freizeitaktivitäten nachhängst. Dies verschafft dir die Glaubwürdigkeit, dass du wirklich überlastet bist.

Auf den Spass, den du bei der Arbeit hast, hast du selber am meisten Einfluss. Aber bedenke: Den Titel dieses Blogposts kann man in zwei verschiedenen Betonungen aussprechen.