Das grosse Schweizer Big Data Event

Vergangenes Wochenende fand in der Schweiz wieder das grosse Big Data Event statt. Nie davon gehört? Doch, vielleicht hast du sogar teilgenommen - das Event heisst Volksabstimmung und ist aus Sicht Datenschutz nicht als gefährlich bekannt. Warum gilt dies nicht für alle Big Data Sammlungen? Und was unsere Rolle, als ICT-Experten?

Vergangenes Wochenende fand in der Schweiz wieder das grosse Big Data Event statt. Nie davon gehört? Doch, vielleicht – vielmehr hoffentlich – hast du teilgenommen  – das Event heisst Volksabstimmung.

Warum handelt es sich um Big Data? Alle Stimmen werden ausgewertet – keine Stichprobe, kein „Sampling“ wie sonst vielfach bei Statistiken. Das ist wesentlich für Big Data: Alle Datensätze werden berücksichtig und nichts wird durch Auswahlen verfälscht.

Und warum hat niemand Bedenken, zu dieser Datensammlung beizutragen? Weil ganz klar geregelt ist, was mit den Daten geschieht. Es gibt keine Auswertungen darüber, wie Kunden von schwedischen Möbelhäusern über schwedische Kampfflugzeuge abgestimmt haben…  Auch für sinnvollere Auswertungen muss zuerst eine VOX-Analyse gemacht werden – mit Stichproben, deshalb nicht mit der gleichen Aussagekraft wie die Abstimmung. Für die Politik ist die VOX-Analyse vermutlich interessanter, aber für das Gesetz zählt nur die Abstimmung.

Ein anderes Beispiel: Staus auf Autobahnen. Um einen Überblick über die Staulage zu erhalten, kann man an vielen neuralgischen Stellen Sensoren (Geschwindigkeitsmesser oder Kameras) aufstellen, also klassisches Sampling. Aber in fast jedem Auto fährt (oder eben steht) ein Mobiltelefon, dessen Position durch das Netz festgestellt wird. Damit lässt sich auch die Geschwindigkeit errechnen – wenn man nun viele Mobiltelefon, die auf einer Strecke unterwegs sind, zusammenfasst, ergibt sich die Staulage [Artikel in der NZZ].

Trotz einer Anonymisierung lässt sich durch Zusammenführen mit anderen Daten unter Umständen der Besitzer des Telefons eruieren [Artikel in Nature]. Deshalb müssen die Daten in kurzen Abständen immer wieder neu anonymisiert werden und dürfen nicht mit anderen Daten zusammengeführt werden. Deshalb wird diesem Vorgehen auch vom im NZZ Artikel zitierten Datenschutzbeauftragten die Unbedenklichkeit attestiert.

Interessanter und auch kritischer wird es, wenn mit Big Data einzelne Personen analysiert und adressiert werden:  Aus meinen Mobile-Daten, kombiniert mit Banking Daten und Einkäufen der Kundenkarten der Grossverteiler lässt sich ein schöner Teil meines Lebens rekonstruieren. Wen interessiert’s? Werbende, die mir etwas verkaufen wollen, Versicherungen, die meine Risiken kennen wollen,  vielleicht aber auch Kriminelle.

Damit ich mich ohne Befürchtungen in der Big Data Welt bewegen kann, so wie ich ohne Furcht abstimme, ist es nötig, dass:

  • ich um meine generierten Daten weiss
  • ich der Verwendung der von mir erstellten Daten in nicht-anonymisierter Form  freigeben kann (und nicht sperren muss)
  • ich dem Datenerheber und Verarbeiter vertraue,
  • weil dieser die Verwendung klar und überprüfbar deklariert.

Als das Telefon in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts populärer wurde, wurde Telefonieren anscheinend in der Schule unterrichtet. Wieder sind wir in einer Zeit der vielen neuen Möglichkeiten. Es ist an uns ICT Experten, bei Bekannten, aber auch in den Schulen auf Potential und Gefahren hinzuweisen, die aus Daten entstehen.