Dass Technologie nicht nur Männersache ist, beweisen die Digital Days for Girls, die von Swisscom organisiert werden. Mit der Event-Reihe möchte Swisscom das Interesse junger Frauen an Lehrberufen in der Informatik und der Mediamatik stärken und bereits frühzeitig potentielle Talente für diese Berufe erkennen. In Zürich und Bern, wo die Digital Days stattfinden, wird jeweils an drei Tagen ein abwechslungsreiches Programm geboten. Die Teilnehmerinnen im Alter von 13 bis 15 Jahren werden von lernenden Informatikerinnen und Mediamatikerinnen mit auf eine spannende Reise durch ihren Berufsalltag genommen und können so einen Blick hinter die Kulissen der ICT Berufswelt werfen. Sie lernen die kreative Multimedia-Umgebung kennen und erleben in der Praxis, wie spannend es ist, zu programmieren.

Als die Digital Days in Zürich durchgeführt wurden, durfte ich vorbeischauen und mir gleich live einen Eindruck in das interessante Programm verschaffen. Lego-Roboter programmieren war gerade angesagt. Die Mädchen sassen in Zweier- oder Dreiergruppen zusammen und tüftelten an ihrem eigenen kleinen Roboter rum. Jede Gruppe hatte eine Kiste mit Lego-Teilen und einen Mac mit Programmiersoftware zur Verfügung. Zurück in meine Lego-Zeit versetzt, hätte ich mich am liebsten gleich hingesetzt und mitgemacht. Selber einen Roboter bauen, wie geil ist das denn?! 🙂 Aber da ich die Zielgruppe alterstechnisch gesehen ein klein wenig überschreite, hab ich das Feld den jüngeren überlassen und mich dann doch aufs Zuschauen beschränkt. So konnte ich mich mit den Teilnehmerinnen und mit Kim und Jasmine – Lernende Mediamatikerinnen im 2. Lehrjahr und Leiterinnen der Digital Days – ein wenig unterhalten und zusätzlich noch ein paar Fotos schiessen.

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Im Gespräch mit den Mädchen hab ich festgestellt, dass bereits ein Interesse an Mediamatik und Informatik vorhanden war und die Digital Days for Girls einfach nochmals genutzt wurden, um weitere Eindrücke zu gewinnen. Saphia zum Beispiel weiss jetzt schon, dass sie nach der Schule eine Ausbildung als Mediamatikerin anstreben will … natürlich bei Swisscom. 🙂 Flandra hingegen beschäftigt sich auch in ihrer Freizeit mit Informatik und installiert gerne Computer zusammen mit ihrem Bruder. In erster Linie möchte sie aber Hochbauzeichnerin werden, behält sich die Option der Informatik-Lehre allerdings noch offen. Auf die Frage nach dem bisherigen Höhepunkt an den Digital Days hat sich der Roboter mehrheitlich durchgesetzt, was mich nicht verwundert. Lorena und Alexandra, die gerade dabei sind, den Roboter selber zusammenzubauen und ihn danach zum Laufen zu bringen, haben grossen Spass daran. Flandra’s Höhepunkt hingegen war das Programmieren am Vortag, als sie die FMSLogo Programmiersprache kennengelernt und erste kleine Programme selber geschrieben haben. Eines steht jetzt schon fest, die Mädchen haben viel Spass und gehen mit vielen, neuen und positiven Eindrücken wieder nach Hause. Saphia fühlt sich in ihrem Interesse für die Mediamatik jetzt schon bestätigt, Flandra geniesst die Zusammenarbeit mit anderen Mädchen und Alexandra ist beeindruckt, was sie bis jetzt alles neu gelernt hat, wie zum Beispiel das Arbeiten mit iCloud.

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Vom Gespräch mit Kim und Jasmine, den beiden Lernenden Mediamatikerinnen, war ich dann beeindruckt. Die beiden haben Power und sind mit Begeisterung dabei, den jungen Mädchen die ICT Berufswelt näher zu bringen. Jasmine hat grossen Spass daran, die Digital Days zu leiten, weil sie Ihre eigene Freude an der Informatik/Mediamatik weitergeben kann. Es sei immer wieder faszinierend, wie die Teilnehmerinnen von Null aus anfangen und nach einem halben Tag Workshop einen herumfahrenden Roboter zusammenbauen, der Befehle ausübt. Sie selber ist durch ihren Vater, der auch bei Swisscom arbeitet, auf die Lehrausbildung zur Mediamatikerin aufmerksam geworden. Da eine reine Informatik-Lehre für sie zu viel war und auf der anderen Seite eine KV-Lehre dann doch zu wenig gestalterisch und zu „trocken“, fand sie in der Mediamatik die perfekte Ausbildung. Kim hingegen ist auf Umwegen zur Mediamatik gelangt. Sie hatte zuerst eine Detailhandelslehre im Shop begonnen und stellte im 3. Lehrjahr im Gespräch mit ihrem Lernbegleiter fest, dass sie nicht weiter auf diesem Beruf arbeiten wollte. Nach langem Hin und Her haben sie und ihr Lernbegleiter den Entschluss gefasst, dass sie die Lehre wechseln kann, aber dass sie nochmals von vorne beginnen müsse. Den Entscheid hat sie keinen Tag bereut.

Ich hab mich mit den beiden auch über Vorurteile gegenüber Frauen in der ICT Branche unterhalten und Kim hat mir bestätigt, dass es noch immer Leute gibt, die Frauen in solchen Berufen unterschätzen. Im Shop kam es ab und zu vor, dass ein Mann nicht von ihr bedient werden wollte, weil sie als Frau keine Ahnung habe. Kim sieht das Ganze allerdings sportlich und zeigt es der Männerwelt erst recht. So geben sie und Jasmine auch den potentiellen zukünftigen Mediamatikerinnen und Informatikerinnen mit auf den Weg:  „Traut euch!“

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Zum Schluss durfte ich noch Urs Gloggner, Projektleiter der Digital Days for Girls, zu dem Event interviewen:

Lieber Urs, wie lange gibt es die Digital Days for Girls schon?

Die Digital Days for Girls wurden im Jahre 2012 ins Leben gerufen, um das Interesse junger Frauen in den technischen Berufen – insbesondere in der Informatik – zu wecken. Früher wurde dieses Förderprogramm unter dem Namen „ICT-Wochen für Mädchen“ geführt.

Was wollt ihr mit diesem Event erreichen?

Das Ziel der Digital Days ist Mädchen für ICT zu begeistern, „Berührungsängste“ der Teilnehmerinnen abzubauen und dem Fachkräftemangel in der ICT-Branche vorzubeugen.

Was sind die Highlights dieser Tage?

Der ganze Event ist ein Highlight 🙂 – Die Programmierung der LEGO-Roboter bereitet den Teilnehmerinnen sehr viel Freude und ist aus meiner Sicht ein klares Highlight. Einigen Teilnehmerinnen gefällt aber auch die Bildbearbeitung. Durch den Erlebnisanteil erhalten die Teilnehmerinnen einen Einblick hinter die „Kulissen“ z.B. beim Besuch des Multimediaraumes. Das Programm ist so ausgelegt, dass die Teilnehmerinnen viele kleine positive Erfolgserlebnisse mit auf den Weg nehmen können.

Wie sieht aktuell der Frauenanteil bei den Lernenden Informatikern und Mediamatikern aus?

Aktuell liegt der Frauenanteil bei den Informatik-Lernenden bei 6.3%, bei den Mediamatik-Lernenden bei rund 30%.

Bleibt ihr mit den Teilnehmerinnen in Kontakt? Oder was gebt ihr ihnen mit auf den Weg?

Alle Teilnehmerinnen können frei entscheiden, ob sie kontaktiert werden wollen, wenn bei uns die Bewerbungsphase für die Lehrstellen beginnt. Im Weiteren werden die Teilnehmerinnen ein „Zertifikat“ von den besuchten Digital Days erhalten.

Welche Tipps gibst du potentiellen jungen Informatikerinnen und Mediamatikerinnen mit auf den Weg?

„Bleib dir selber treu und gehe deinen ganz persönlichen Weg, denn er ist gut – ganz im Sinne: Like a Girl! Bei Herausforderungen dran bleiben und bei Fragen – einfach fragen :-).“

Vielen Dank Urs.