Was macht eigentlich ein Cloud Development Engineer bei Swisscom?

Der Messemarathon von Swisscom lässt mich beinahe durch die ganze Schweiz reisen. So durfte ich vergangenen Oktober auch mit ans EPFL Forum nach Lausanne. Wie immer waren wir mit einem bunt gemischten Team aus Recruitern und Mitarbeitern aus der Linie vor Ort, wobei dieses Mal vor allem die Französisch sprechenden Swisscom-Kollegen Vorrang hatten. Einer dieser Kollegen war Sandro Montanari, ein Ex-Trainee, der selber schon an der EPFL studiert hatte und somit als Vorzeigemodell diente ;). Sandro und ich verstanden uns auf Anhieb als wir den „Töggelikasten“ am Nachbars-Messestand entdeckten. Im Sinne eines Messestand-Benchmarking haben wir es uns nicht nehmen lassen, unsere Nachbarn zu einem sportlichen Duell herauszufordern. Das Ergebnis lassen wir jetzt beiseite… das einzige was wirklich zählt, ist, dass ich mit Sandro einen neuen Interviewpartner gewinnen konnte ;).

EPFL Forum - Swisscom Messestand

EPFL Forum – Briefing an unserem Messestand

Lieber Sandro,

Du hast an der EPFL dein Studium mit Schwerpunkt auf Automation und Robotik absolviert. Wie bist du auf Swisscom und das Traineeprogramm aufmerksam geworden?

Im vorherigen Jahrgang haben gleich drei Bekannte aus meinem Freundeskreis das Swisscom Trainee Programm absolviert. Alle waren davon begeistert und erzählten nur Gutes. Ich erfuhr von ihren Projekten, ihrer Verantwortung innerhalb der Firma, dem guten Zusammenhalt im Trainee Team und war überrascht, wie euphorisch sie vom Trainee Programm schwärmten. Ich liess mich von ihrer Begeisterung anstecken und meldete mich kurz darauf als letzter der zehn Trainees bei Swisscom.

Nach meiner Masterarbeit bei einer Robotik-Firma in Fribourg hatte ich Mühe, mich zu diesem Entscheid durchzuringen, weil ich das Gefühl hatte, meiner Studienrichtung treu bleiben zu wollen und eine Stelle in der Robotik zu finden. Ich merkte allerding schnell, dass sich meine Interessen über die klassischen Ingenieursberufe hinaus erstreckten und mir Swisscom spannende neue Horizonte im Wirtschafts- und IT Sektor bieten konnte. Ausserdem wusste ich, dass ein Trainee auf ein Jahr beschränkt war und sagte mir, dass ich anschliessend immer noch die Chance hätte, zur Robotik zurück zu gehen, falls ich das wollen würde.

Als Swisscom Trainee hattest du die Möglichkeit, während einem Jahr 3 Projekte à 4 Monate zu begleiten. Für welche Projekte hast du dich entschieden? Was ist dir besonders in Erinnerung geblieben?

Konsequent das Ziel meiner Horizonterweiterung verfolgend, entschied ich mich bei den ersten beiden Projekten für wirtschaftsnahe Themen.

Als Erstes meldete ich mich bei Marc Furrer im Roaming Team, wo ich in die Tätigkeiten eines „International Roaming Managers“ Einblick erhalten durfte. Die Roamer sind ein wunderbar kunterbunt gemischtes Team, in dem rege Spanisch, Russisch, Schwedisch, Französisch, Englisch und Deutsch gesprochen wird. Ich mag fremde Kulturen und Sprachen und wurde offen und schnell ins Team und die Atmosphäre integriert. Auch konnte ich von Anfang an Hand anlegen und wurde direkt ins Business einbezogen. Nach einem Monat durfte ich bereits eigenständig Roaming Verhandlungen mit internationalen Partnern führen und verhandelte über Beträge, die mein Jahressalär deutlich überstiegen. Ich war begeistert von der Verantwortung, die ich wahrnehmen durfte und lernte unglaublich viel über die Mechanismen, mit denen moderne Telcos Roaming Tarife verhandeln und festlegen. Der Höhepunkt bildete eine Reise in die Türkei, wo wir mit zwei Partnern vor Ort verhandelten. Ich hatte den Auftrag, die Verhandlungen vorzubereiten und rechnete die verschiedenen Szenarien durch, die wir uns vorstellen konnten. Doch kann man sich auf eine türkische Verhandlung kaum vorbereiten, sie ist ein unerwartetes und unvergessliches Erlebnis in sich selbst. Die türkische Mentalität und das Temperament sind in der Kultur derart fest verankert, dass ich während der Reise keinen Unterschied zwischen privaten Verhandlungen am Bazar und geschäftlichen Verhandlungen im Bürogebäude erkennen konnte (abgesehen von der Höhe der verhandelten Beträge). Am geschäftlichen Verhandlungstisch wurde gefuchtelt, gestikuliert, aufgestanden, erhitzt geredet, den Raum verlassen, zurückgekehrt, getäuscht, ins Gewissen geredet uvm. Kurzum ein unglaublich spannendes und eindrückliches Erlebnis. Zum meinem Erleichtern war Marc, als erfahrener Verhandlungsführer, auf alles vorbereitet und behielt stets Ruhe und einen kühlen Kopf, sodass wir die Türkei mit gutem Ergebnis und zufrieden verlassen konnten.

Mein zweites Projekt absolvierte ich in den USA, im Swisscom Outpost im Silicon Valley, Palo Alto. Auftraggeber war die SME Strategieabteilung, die mich bat, neue potentielle Geschäftsfelder für die KMU Abteilung bei Swisscom zu finden. Die Arbeit war spannend und führte mich quer durch das Silicon Valley, wo ich Partner, Startups, andere Telcos und generell herausragende Persönlichkeiten kennen lernen durfte. Das Leben in den USA und die unglaubliche Innovationskraft, Motivation und „den Drive“, den man im Herzen vom Silicon Valley erlebt, ist mit nichts in der Schweiz zu vergleichen und hat mich schwer geprägt. Im Valley lebt man, frei von Vorurteilen und frei von der Angst zu scheitern. Man lernt Leute kennen, die rein äusserlich betrachtet aussehen, als würden sie einen Tatoo-Laden führen, welche aber in Wahrheit CEOs von den erfolgreichsten Startups sind. Während jemand der sich als Startup Entrepreneur versucht und dabei scheitert in der Schweiz eher für sein Scheitern verurteilt wird, wird ihm im Amerika sein Engagement angerechnet und man hilft ihm beim nächsten Versuch. Während sich Konkurrenten in der Schweiz meiden oder gar zu schaden versuchen, organisieren sie im Valley Meetups und tauschen sich gegenseitig über gemeinsame Probleme und interessante Technologien aus. Es ist ein unglaublich kreatives, positives, förderndes und gemeinschaftliches Umfeld, dass in jedem Passion und Engagement weckt.

Selbstverständlich hat San Francisco und die Bay Area auch unglaublich viel kulturelles, wunderbare Landschaften, entzückend verrückte Leute und spannende Geschichten zu bieten. Ich verbrachte vier wunderbare Monate drüben und es fiel mir schwer, meinen Alltag in der Schweiz wieder aufzunehmen.

Silicon Valley Home Office

Home Office im Silicon Valley – Patrick und Sandro

Die letzte Station im Trainee führte mich zur Innovation Abteilung der Swisscom, wo ich als Data Analyst im Big Data Team arbeitete. Swisscom hat ein schweizweit einmaliges Set von Daten zur Verfügung mit riesigem Informationspotential. Es war ein unglaubliches Privileg, mich in den Dschungel dieser Information begeben zu dürfen und spannenden Fragen über aktuelle geschäftliche Probleme und Themen beantworten zu können. Es sind Antworten, die man mit simplen Umfragen und Schätzungen nicht eruieren kann. Nur mit schlauen Algorithmen, welche die riesige Menge an Rohdaten schlau formatieren, und geschickten Schlussfolgerungen daraus, kommt man zu Antworten. Es war faszinierend, sich mit dem Big Data Thema auseinandersetzen zu können und bot ausserdem auch interessante Herausforderungen im Bereich der Informatik, um mit den Daten, Clustern und den Such- und Verarbeitungsalgorithmen umgehen zu können. Leider sind solche Themen sehr sensibel und ich darf mich in diesem Rahmen nicht über konkrete Projekte oder Resultate äussern.

Wie hat sich die Suche nach einer Festanstellung bei Swisscom gestaltet , wusstest du von Anfang an, in welchen Bereich du möchtest?

Nein, das wusste ich lange nicht. Ich war mir sehr lange nicht bewusst, in welche Richtung ich mich orientieren sollte, mir fehlte einerseits die Ingenieurstätigkeit und andererseits war ich von den neuen Herausforderungen im wirtschaftlichen Bereich einer Grossfirma fasziniert. Ich konnte mir zum Zeitpunkt meines letzten Projektes sowohl vorstellen, die Swisscom zu verlassen und zurück zur Robotik zu gehen, als auch in der Swisscom zu bleiben und etwas gänzlich dem Ingenieur entgegengesetztes zu tun, etwa in die Strategie oder zum Roaming zu gehen.

Bereits während des Studiums habe ich mit meiner Spezialisierung in Automation einen starken Fokus auf die Informatik gelegt. Ich programmierte Mikrocomputer, Roboter und kleine Steuerungen und fand immer mehr Gefallen an den Bereichen der Informatik. Während des letzten Projekts im Big Data Team entdeckte ich diese Passion wieder und entschloss mich, etwas Informatik-nahes zu suchen. Im Big Data Team konnte ich leider nicht bleiben, wurde aber kurz darauf von Boris, meinem neuen Chef angegangen, der mir eine äusserst spannende Stelle anbot.

Du arbeitest nun als Cloud Development Engineer bei Swisscom. Was macht eigentlich ein Cloud Development Engineer bei Swisscom?

Entwickeln. Jedenfalls tue ich das.

Wir bauen eine Plattform, die es unseren Betreibern erlaubt, Rechenzentren, die beim Kunden stehen, zu verwalten. Konkret möchten grosse Kunden (z.B. Banken) ihre Rechenzentren in ihrer Hoheit und physisch bei sich haben, möchten diese aber nicht betreiben müssen. Wir bauen eine Umgebung, die den Betreibern erlaubt, die Fernüberwachung und Fernwartung der Rechenzentren zu übernehmen. Dies braucht Überwachungsmechanismen, Alarmierung, Netzwerkinfrastruktur, Sicherheitsmassnahmen, SLA-Überwachung und –Verrechnung etc.

Spannend ist, dass wir alles selber bauen und dabei ausschliesslich auf Open Source Tools als Unterstützung zurückgreifen. Dies ermöglicht uns eine riesige Flexibilität und Unabhängigkeit von grossen und trägen Firmen, die ähnliche, aber weniger spezifische Lösungen anbieten. Wir können unsere Lösung so bauen, wie wir sie wollen und wie sie dem Kunden entspricht. Wir können Schnittstellen zu anderen Swisscom-internen oder -externen Tools bauen, was andere Anbieter nicht oder nur gegen grosses Entgelt machen würden, da solche Use-Cases für sie zu wenig generisch sind.

Was gefällt dir an deinem Job am besten?

Als Quereinsteiger in die Informatik bin ich unglaublich dankbar, dass mir in meinem Team die Chance gegeben wird, ein waschechter Informatiker zu werden. Ich lerne jeden Tag neues und finde neue Herausforderungen. Verglichen mit klassischen Informatik-Abgängern habe ich einen merkbaren Wissensrückstand, den ich eifrig aufhole. Aber mein Einarbeiten und mein Lernen braucht natürlich Zeit und Geduld meiner Chefs und Mitarbeiter. Diese Zeit wird mir nachsichtig gegeben und mir wird es ermöglicht, alles zu lernen, was ich für meine Arbeit brauche und mehr. Dafür bin ich unglaublich dankbar und schätze die Geduld und Nachsicht meiner Chefs und Kollegen.

Vielen lieben Dank.