Themenmonat auf dem ICT Blog – Der September im Zeichen von Open Source

Als Sozial- und Wirtschaftspsychologin zählen Software-Kenntnisse zugegebenermassen nicht zu meinem Spezialgebiet. Für den September aber habe ich mich etwas schlau gemacht über „Open Source“ und werde nun versuchen, Euch auf dieses Thema einzustimmen, bevor unsere Experten Euch in den kommenden Wochen mit ihren Blogbeiträgen dazu hellauf begeistern werden. 🙂

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The Cathedral and the Bazaar

So theatralisch klingt der Titel eines bekannten Essays von Eric S. Raymond, das 1997 erstmals öffentlich vorgetragen wurde und die Gegenüberstellung der im Open-Source-Bereich inzwischen weit verbreiteten Entwicklungsmethode des Basars gegenüber der zuvor gebräuchlichen Methode Kathedrale enthält. Nachdem ein Jahr später Netscape entschied, den wirtschaftlich nicht mehr nutzbaren Netscape Navigator freizugeben (woraus später das Mozilla-Projekt entstehen sollte), befanden Raymond, Bruce Perens und Tim O’Reilly, dass die Freie-Software-Gemeinschaft ein besseres Marketing benötige – der Begriff Open Source war geboren.

OSS vs. Free Software vs. FOSS vs. Floss

Mit dem Begriff Open Source wollten sie sich von der ideologischen Konnotation lösen, die dem bis dahin verwendeten Begriff Freie Software anhaftete. Denn während die Gründer der Open Source Initiative davon ausgehen, dass das Wort Freiheit  potentielle Geldgeber für entsprechende Projekte abschrecken könnte, postuliert die Free Software Foundation, dass proprietäre Software schon alleine aus moralischen Gründen abzulehnen sei, selbst wenn sie besser als quelloffene wäre.

Um nun beide Parteien bei der Benennung dieses Softwarebereichs zu berücksichtigen, spricht man oft von FOSS bzw. FLOSS. Als Akronym funktioniert FOSS im Englischen (Free and Open Source Software) wie evtl. auch noch im Deutschen (F für Frei). Um den meisten weit verbreiteten Sprachen Rechnung zu tragen, wurde FLOSS eingeführt, das für Free/Libre Open Source Software steht.

Soviel zu den Begrifflichkeiten. Was aber genau macht nun Open Source aus? Da sich die konkreten Anforderungen an Lizenzen unabhängig von der Bezeichnung wenig unterscheiden, wird im Folgenden auf die der Open Source Initiative eingegangen.

Die zehn Kriterien der Open Source Initiative

Laut der Open Source Initiative (OSI) wird Open Source als Begriff durch folgende zehn Kriterien definiert:

  1. Freie Weitergabe
  2. Verfügbarer Quellcode
  3. Abgeleitete Arbeiten und deren Distribution unter derselben Lizenz wie Basissoftware erlaubt
  4. Integrität des Autoren-Quellcodes, d.h. Lizenz muss Verteilen von modifizierten Versionen des Originalquellcodes erlauben, kann bei Änderungen einen neuen Namen oder neue Versionsnummern und die Dokumentation der Änderungen verlangen, kann das Aushändigen von Patches zum Originalcode an die Verteilung vom Quellcode selbst binden
  5. Keine Diskriminierung von Personen oder Gruppen
  6. Keine Nutzungseinschränkung, bspw. kein Ausschluss militärischer Nutzung
  7. Lizenzerteilung für alle, sobald sie Software erhalten
  8. Produktneutralität
  9. Keine Einschränkung anderer Softwares
  10. Technologieneutral, bspw. darf keine alleinige Distribution über DVD verlangt werden

Mittlerweile gibt es sodann 70 Lizenzen, die von der Open Source Initiative anerkannt sind und die laut einer globalen Studie von The Standish Group in 2008 zu jährlich 60 Milliarden Ertragseinbussen für Software-Firmen führen. Weg vom Globalen hin zur Schweiz interessiert die Frage, wie Schweizer Unternehmen zur Nutzung von Open Source stehen.

Open Source Studie Schweiz 2012

Die im Jahr 2012 durchgeführte Schweizer Open Source Studie zeigte auf, dass von 202 teilnehmenden Unternehmen aus unterschiedlichen Sektoren und Behörden 93% (laut eigenen Angaben) bewusst Open Source Software einsetzen. Und trotz dieser bereits beachtlichen Zahl gehen fast alle davon aus, dass durch besseren Einsatz von Open Source noch mehr gespart werden kann als bisher. Dabei erwartet die Mehrheit Kosteneinsparungen in der Informatik von 10 bis zu über 30%.

Grafik basierend auf Daten von Open Source Studie Schweiz 2012

Grafik basierend auf Daten von Open Source Studie Schweiz 2012

Zu den insgesamt am häufigsten genannten Vorteilen zählen die Unterstützung von offenen Standards und Schnittstellen, Kosteneinsparungen und Unabhängigkeit von Lieferanten. Im Gegensatz dazu werden unklare Lieferantenhaftung und fehlender Support als die grössten Nachteile empfunden.

Natürlich gibt es noch weitaus mehr Vor- und Nachteile, die für oder gegen Open Source sprechen, sowie es auch viele weitere spannende Aspekte und Bereiche gibt, über die man innerhalb dieses Themas bloggen könnte. Darum:

Deine Inputs sind gefragt

Mich interessiert, was dich interessiert. 🙂  Will sagen,  schreib mir doch im Kommentar, welche Aspekte, Themen und Fragestellungen rund um Open Source deine Neugier wecken und wir werden versuchen, deine Inputs in diesem Themenmonat aufzunehmen. Ich hoffe, dass ich dich mit dem Beitrag bereits auf den Monat einstimmen konnte.