Home Office oder Office only? Oder beides?

Zur Zeit wird das Thema in HR Kreisen wieder heiss diskutiert. In der aktuellen HR Battle werden beide Seiten mit starken Argumenten untermauert. Prof. Dr. Gerhard Bosch, Professor für Arbeits- und Wirtschaftssoziologie an der Universität Duisburg-Essen, spricht sich für die Arbeit im Büro aus und Dr. Elke Frank, Senior Director Human Resources und Geschäftsleitungsmitglied von Microsoft Deutschland, die für ihr Konzept kürzlich den von FOCUS und XING verliehenen New Work Award 2015 erhielt, spricht sich für das Home Office aus. Ich möchte hier gar nicht weitere Argumente in die Waagschale werfen, sondern einfach aus meinem Alltag berichten und wie sich die Tatsache, dass wir Home Office friendly sind, auf die Zusammenarbeit mit meinem Team und den Kollegen auswirkt.

Ich fahr doch nicht extra für ein einstündiges Meeting von Zürich nach Bern

Home Office heisst für mich auch: Work Anywhere. Das muss dann nicht immer zuhause sein, das kann auch aus einem Kaffee heraus sein, im Hotel während einer Tagung oder aus dem Zug heraus. Apropos Zug: da wir bei Swisscom zwischen den einzelnen Standorten verteilt sind und wir deshalb viel mit dem Zug pendeln, kommt es dennoch immer wieder  vor, dass der Gesprächspartner, den man gerne sehen würde, nicht am selben Standort ist. Gerne plant man im Voraus und schaut, dass alle Termine an dem Tag am selben Standort sind, aber das ist nicht immer möglich. Da kann es passieren, dass nur ein Termin genau am anderen Ort ist.. und jetzt soll ich eine Stunde im Zug sitzen und Tür zu Tür anderthalb Stunden Fahrtzeit investieren? Klar, ich kann im Zug arbeiten (hatte ich das schon mal erwähnt? 😉 ) und tue das sogar sehr gerne, aber der Aufwand bleibt und der muss sich dann auch lohnen.

Schaut mir in die Augen, liebe Kollegen… 

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte… oder ist der Gesichtsausdruck während eines Gesprächs etwa nicht wichtig? Aus einer Reaktion kann man viel lesen und interpretieren und dies ergänzt den mündlichen Austausch. Kein Problem, Arbeiten auf Distanz funktioniert: Lync oder Vidia stehen uns dafür zur Verfügung, um nicht nur telefonisch in Kontakt zu treten, sondern um auch dem Gegenüber in die Augen sehen zu können. Zudem können wir den Bildschirm teilen, damit alle vom selben reden. Das funktioniert nicht nur bilateral, sondern auch mit vielen Menschen gleichzeitig und ist nicht nur unkompliziert, sondern auch echt effizient. Führen auf Distanz zählt im Übrigen auch zu einem Thema, welches stark mit Work Anywhere einhergeht. Denn ist bietet neue Herausforderungen, aber auch neue Chancen und eröffnet viele neue Möglichkeiten, auch mal anders zu führen. In meiner ersten Führungsposition, noch nicht bei Swisscom, sass ich meinen Mitarbeitenden jeden Tag gegenüber. Schon kurze Zeit später eröffnete ich eine Filiale in St. Gallen und pendelte nun zwischen den Standorten, die ich leitete. Hier habe ich meine erste Erfahrung mit Führung auf Distanz gemacht, doch ohne jegliche Art von Desktop-Sharing oder Online-Meetings. Somit war ich zum einen tatsächlich viel unterwegs, zum anderen erkannte ich aber bald, dass Führung sehr viel mit Vertrauen und mit Zielsetzung zu tun hat. Und damit, dass man da ist, wenn man gebraucht wird, auch physisch. Dann darf kein Weg zu lang sein. Bei Swisscom ist Führen zwischen den Standorten Alltag. Wir freuen uns richtig, wenn wir zufällig am selben Standort sind und uns sehen, weil es ungeplant war und genauso gut können wir Online-Meetings planen, weil wir wissen, dass es anders zu umständlich wäre. Ohne gegenseitiges Vertrauen würde dieses Modell nicht funktionieren und ich bin froh und dankbar, dass wir dieses Vertrauen bei uns aufbauen konnten und als fast schon selbstverständlich erachten.

Ich bin dann mal krank

Die Grippewelle hat die Schweiz im Griff. Kein Tag vergeht, ohne dass irgendeiner aus dem Umfeld sich krank meldet. Auch mich hat es vor 14 Tagen erwischt. Ich konnte gerade noch die “Out of office-Reply” im Outlook aktivieren und dann war ich tatsächlich drei Tage weg vom Fenster. Schlafen, Tee trinken, Schlafen. Sonst nichts. Aber auch am vierten Tag war das Fieber noch nicht ganz weg und der Husten liess mich nicht los. Im Büro würde man sich bedanken, wenn ich jetzt als Bazillenschleuder reinspazieren würde und ehrlich gesagt, fühlte ich mich in der Nähe meiner Teekanne und meiner Kuscheldecke wohler. Ich konnte zwei Tage ohne Probleme von zu Hause aus arbeiten, konnte an jedem Meeting teilnehmen und habe, ausser dem Flurfunk, nichts verpasst.

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Nicht nur von zu Hause aus arbeiten…

…sondern auch und vor allem auch im Büro. Ich bin ein grosser Fan vom Flurfunk, vom persönlichen Kontakt, vom “Lass dich mal drücken” und offline in die Augen schauen. Die Distanz zwischen den unterschiedlichen Standorten ist schon Herausforderung genug, und so freut es mich umso mehr, wenn ich zwischendurch die Menschen auch immer wieder live und in Farbe sehe. Man erzählt sich die Dinge dann auch anders, nicht nur effizient, sondern auch mal schön ineffizient und zwischenmenschlich. Ich glaube, dass ich auch eine von den Swisscömlern bin, die noch recht viel im Office ist und gar nicht so oft im Home Office – ausgenommen die Kolleginnen und Kollegen, die aufgrund ihrer Tätigkeit gar kein Home Office machen können. Und dennoch bin ich ein grosser Verfechter dieser Möglichkeit. Ich wohne auch gerne in der Stadt, weil ich weiss, dass ich schnell ins Theater könnte, auch wenn ich dies nur 2 Mal im Jahr schaffe. Aber wenn ich gehe, ist es nah und unkompliziert.

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Dies sind meine Alltags-Einblicke.. geschrieben aus dem Home Office, wie man im unteren Bild am TV Programm erkennen kann, welches meine Kinder sich in gerade noch erträglicher Lautstärke reinziehen. Gleich kommt der Abspann und dann gehts zum Zoo. Dank Teilzeit-Job geht das, aber das ist ein anderes Kapitel, welches aber recht nah an diesem Thema dran ist. Happy (Home Office) Day euch allen! Oder macht ihr das nicht?

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