Future Trends – Was man 1972 schon über heute wusste

Smart Home, Big Data, eMobility. Was wir heute als Kerntrends unserer Branche betrachten, war Zukunftsforschern schon in den 1970er Jahren sehr deutlich bewusst. Welche Ideen sich die Experten damals für „die Zukunft" machten und was wir heute aus dieser amüsanten Video-Retrospektive lernen können, davon handelt der heutige Blog.

Smart Home, Big Data, eMobility. Was wir heute als Kerntrends unserer Branche betrachten, war Zukunftsforschern schon in den 1970er Jahren sehr deutlich bewusst. Welche Ideen sich die Experten damals für „die Zukunft” machten und was wir heute aus dieser amüsanten Video-Retrospektive lernen können, davon handelt der heutige Blog.

Vor einigen Wochen bin ich über einen Tweet der Zeitschrift „Business Punk” auf eine alte Reportage des ZDF aus dem Jahre 1972 gestossen: „Richtung 2000 – Vorschau auf die Welt von morgen”. Die Dokumentation spielte vor 43 Jahren ein Szenario durch, das damalige Trendforscher für das Jahr 2000 skizziert haben. Darin wird auf skurile  Weise der „technisch automatisierte” Tag aus dem Leben des Herrn B. beschrieben. Über „tragbare Schaltpulte” und „mobile Videokommunikationsgeräte” mit blinkenden Knöpfen und 2cm grossen Hebeln managed der Protagonist also seinen Alltag. Aber seht selbst, das Video lohnt sich (Copyright der Screenshots bei ZDF).

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Selbstverständlich erkennt jeder von uns darin die heute viel diskutierten und „gehypten” Trends der Digitialisierung, nur dass Technik, Design und Usability ein wenig optimiert wurden. Heute weckt uns unser edles Smartphone als digitaler Assistent. Mit Tablet oder Handy steuern wir das Smart Home und lesen die digitale Ausgabe der NZZ. Uber oder Car2Go verändern unser Mobilitätsverhalten, und ohne Amazon und Co geht heute nichts mehr im digitalen Haushalt, zunehmend auch über ultraflache SmartTVs. Lochkarten aus dem mit Magnetbändern betriebenen Rechenzentrum wurden durch hochskalierbare Cloud Infrastrukturen ersetzt und Big Data Frameworks wie Hadoop und Storm berechnen in Echtzeit massive Datenvolumen. Und sogar das Brillendesign ist fast schon wieder da. Alles alter Kaffee? Oder können wir daraus etwas lernen?

Ich habe in den letzten 7 Jahren an fast all diesen Themen gearbeitet und musste dem jeweiligen Management dabei immer wieder Zukunftsszenarien, Customer Journeys und Use Cases für diese Fälle aufzeigen, um das „WAS” auch greifbar zu machen. Dabei stand der Mensch mit seinen täglichen Bedürfnissen und Problemstellungen im Mittelpunkt, woraus digitale Substitutionsmöglichkeiten abgeleitet wurden. Im Kern hat sich heute, im Jahr 2015 faktisch gar nichts verändert an dem Blick auf das „Digitale Leben”, das hier 1972 prognostiziert wurde, und auch ein Rückblick ins Jahr 2000 würde nicht so viel neue Grunderkenntnisse bringen. Allerdings haben ab der Jahrtausendwende Internet, Mobilfunk, Smart Devices und Big Data die Vision in einer noch radikaleren, eleganteren und schnelleren Weise Realität werden lassen, als es einmal vorstellbar war. Fast immer war eine neue oder in der User Experience radikal veränderte Technologie der Triggerpunkt, der einen gewaltigen Schub in den Markt brachte. Mittlerweile kann sich fast jeder Mensch eine total vernetzte, digitale Welt vorstellen, ohne sich die wahre Ausprägung davon tatsächlich ausmalen zu können. Fazit eins ist für mich daher, technologischen Zukunftsszenarien rund um das „WAS” keine echten Beschränkungen mehr aufzuerlegen, sondern durchaus das maximal mögliche zu betrachten.

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Was der Film nicht berücksichtigt, aber unsere Wirtschaft noch drastischer als reine Technologien verändert, ist das „WIE”, nämlich die Erschaffung oder Adaption von innovativen Geschäftsmodellen und Ökosystemen, welche die Einführung und massive Verbreitung von neuen Technologien erst ermöglicht. Hier stehen die meisten grossen Unternehmen noch am Anfang oder sind zögerlich, da Sie eine Kannibalisierung der bestehenden Geschäftsgrundlage befürchten oder nur einen schwachen Business Case auf Basis traditioneller Denkmuster rechnen. Aus strategischer Sicht ziehe ich das zweite Fazit für mich aus dem Film, den Fokus auf das WIE und den Abbau von Hürden durch neue Geschäftsmodelle zu legen. Wenn wir dies als  Industrie schaffen, dann können wir mehr erreichen auf dem Weg zur vernetzten Welt, als wir uns heute vorstellen können. Ich bin gespannt auf die Retrospektive auf das Jahr 2015, wenn ich in 43 Jahren auf meinem Holodeck persönlich von der Netflix-Nachrichtensprecherin informiert werde.

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Das vollständige Video gibt es hier: https://twitter.com/BusinessPunkMag/status/570263192581984259