Mit dem Future Forum die Zukunft der Glokalisierung gestalten

Trendforscher, Science Fiction Autoren und Futurologen berichten über eine mögliche Zukunft. Sie beschreiben, in welcher Welt wir leben könnten und was sich alles verändert. Gedanken zur Zukunft sind ein wichtiges Thema für Organisationen. Sie müssen sich überlegen, wie sie sich auf die Zukunft vorbereiten und diese mitgestalten. Das Future Forum beschäftigt sich dieses Jahr mit dem Thema Glokalisierung. Jens Meissner ist Professor an der Hochschule Luzern und organisiert das erste Future Forum Ende März in Luzern. Wir haben ihm dazu ein paar Fragen gestellt.

Trendforscher, Science Fiction Autoren und Futurologen berichten über eine mögliche Zukunft. Sie beschreiben, in welcher Welt wir leben könnten und was sich alles verändert. Gedanken zur Zukunft sind ein wichtiges Thema für Organisationen. Sie müssen sich überlegen, wie sie sich auf die Zukunft vorbereiten und diese mitgestalten. Geschäftsmodelle, Dienstleistungen, Produkte, Erlebnisse und Kunden verändern sich und machen es notwendig, früh genug zu handeln. Wie darauf zu reagieren ist, ist eine der zentralen Herausforderungen. Im Bereich ICT beschäftigt sich beispielsweise Swisscom unter anderem mit den Konsequenzen der digitalen Transformation von Unternehmen und der kompletten Vernetzung der Gesellschaft.

Neben den eher ICT-lastigen Themen gibt es aber auch andere relevante Bereiche. Das Future Forum beschäftigt sich deshalb mit dem Thema Glokalisierung. Jens Meissner ist Professor an der Hochschule Luzern. Er organisiert das erste Future Forum Ende März in Luzern. In seiner Arbeit setzt er sich mit dem Thema Zukunft und deren Bearbeitung durch Organisationen auseinander. Wir haben ihm dazu ein paar Fragen gestellt.

Lieber Jens, ihr schaut gerne in die Zukunft und macht euch Gedanken dazu. Was heisst für euch Zukunft? Warum sollten Organisation und Menschen sich mit der Zukunft auseinandersetzen?

Jens: Zukunft entsteht nach eigenen uns unbekannten Prinzipien und entwickelt sich in gewissen Pfadabhängigkeiten. Diese Pfade sind Gegenstand der Trendforschung. Im Management aber ist Zukunft eng verbunden mit dem Begriff der Planung. Planung ist – so Gutenberg als Begründer der Managementlehre – der „Entwurf einer Ordnung“. Ich finde das ein schönes Bild: Zukunft als per se begrenzt vorhersagbares Phänomen mit einer menschlichen Planung zu bearbeiten, die dann – aller Fehleinschätzungen zum Trotz – durch Koordination gemeinsamer Interessen bewältigt werden kann. Zukunft ist dann der magische Moment des Umschaltens zwischen Chaos und einer ersten Erfassung und Bearbeitung. Man kann diesen „Switch“ durchaus als Erfolgsprinzip der menschlichen Zivilisation bezeichnen. Und darum tut man gut daran, sich mit Zukunftsbewältigung zu beschäftigen.

Von welchem Zeithorizont sprecht ihr?

Jens: Die nahe Zukunft beschäftigt fast jeden und täglich. Studiert man die Aufmerksamkeit von Wissensarbeitern, so fällt auf, dass diese sich bis fast zu einem Drittel ihrer Zeit mit der Zukunft beschäftigen, also planen, disponieren, koordinieren. Das Future Forum Lucerne ist ein solch typischer Fall. Neun Monate Vorbereitung für 2 Tage Event – die Wertschöpfung muss man sich mal vergegenwärtigen. Richtig spannend wird es aber bei Fragen, wie sie mir meine sechsjährige Tochter letzte Woche stellte: „Papa, wie ist es, wenn Du 300 Jahre alt bist?“. Darauf hatte ich keine Antwort, aber in solchen Zeiträumen wird die teilweise so schnöde tägliche operative Zukunftsbewältigung richtig sexy, weil man gedankliche Spielräume erhält, die man nutzen kann – oder auch ignorieren.

Euer CreaLab ist ein Zukunftslabor. Wie geht ihr bei der Gestaltung der Zukunft vor? (bspw. Methoden, Prozesse, Bedingungen..)

Jens: Wir setzen darauf, Handlung und Denken zusammenzubringen. Gleichzeitig. Wir arbeiten hierfür viel mit dem Fabrication Laboratory Luzern, einer kleinen Hightech-Werkstatt. Im FabLab beispielsweise kann man üben, „mit den Händen zu denken“. Das geht auch im Management, beispielsweise durch Aktionslernen und damit verbundenen Projekten. Das CreaLab selber besteht aus wirklich interdisziplinären Mitgliedern, von Künstlern über Architekten, Raumplanern, Wirtschaftlern und arbeitet in offenen Formaten und am besten „hands-on“.

crealab summerschool

Kannst du mir ein Beispiel geben aus euren Projekten?

Jens: Unsere Summer und Winter Schools sind immer solche Wochen, in denen wir Neues ausprobieren. In der Lehre führen wir seit Jahren ein Aktionslernprojekt mit dem Namen „DiBuDeCo“ durch – Distributed Business Design Collaboration. Es geht darum, in FabLab-Umgebungen innovative Lösungen durch Einholen und Einbinden von räumlich weit verteilten Feedbacks zu erzielen. Jüngst haben wir dieses Konzept mit der Messe Luzern zur Entwicklung neuer Messestand-Ideen umgesetzt.

Euer Ziel ist es auch, Gestaltungsvorschläge für die Zukunft zu machen. Was sind aus deiner Sicht Erfolgsfaktoren, damit die Vorschläge auch umgesetzt werden können?

Jens: Was keinen unmittelbaren Bezug zur Gegenwart aufweist, kann nicht erfolgreich umgesetzt werden. Das bedeutet, dass Zukunftsarbeiter im Hier und Jetzt mit der Gestaltungsarbeit beginnen können müssen.

Wissensarbeiter sind häufig in operativen Tätigkeiten gefangen und so geht aus meiner Erfahrung häufig die Zukunft vergessen. Was würdest Du empfehlen, damit der Fokus auf der Zukunft bleibt?

Jens: Systematische Pausen scheinen uns hilfreich, aber auch die Arbeit im interdisziplinären Team über die Grenzen der eigenen Abteilung hinaus. Es kommt so häufig vor, dass genau diese Gegensätzlichkeit zwischen den Berufen der Grund dafür ist, etwas anderes sehen und unterschiedlich verstehen zu können. In der Praxis ist das bekannt, nur traut man sich in der Regel nicht, sich vom Fokus her allzu weit vom operativen Geschäft zu entfernen. Hierzu braucht es dann Freiräume, ein wenig Erfahrung und ab und zu etwas Unterstützung von aussen.

Thema des Future Forum heisst Glocalisation. Um was geht es? Was macht Glocalisation zu einem relevanten Trend, mit dem wir uns auseinandersetzen sollten?
Jens: Wir stecken ja in einer Umwelt, die einerseits global ausgerichtet ist, andererseits betont regional funktioniert. Global, um effizient Wertschöpfungsstufen nutzen zu können. Regional, um beispielsweise Unsicherheit im Zuliefersystem abzufedern. Im Alltag entstehen in diesem „Dazwischen“ immer wieder neue und teilweise paradoxe Probleme. Beispiel Fachkräftemangel: Soll man Fachkräfte aus dem Ausland holen oder am Ort mehr auf Automatisierung setzen? Beispiel Supply Chain: Soll man Schweizerische Qualitätsstandards bis zum Rohstofferzeuger durchsetzen oder nutzt man die bessere Wettbewerbsfähigkeit durch geringere Preise aber geringerer Qualitätskontrolle? Beispiel Brand-Management: Sollen ausländische Tochtergesellschaften unter eigenem Brand oder im Corporate Design arbeiten? Diese Themen sind daueraktuell, weil häufig die Notwendigkeit zum globalen Denken zwar gegeben ist, man Lösungen bei genauerer Analyse aber doch ziemlich gut regional umsetzen kann.

Vielen Dank für das Gespräch. Das Future Forum findet am 27 bis 29.März in Luzern statt. Neben Vorträgen werden in den Workshops Methoden zur Zukunft eingeführt. Von Swisscom wird Randy Drenth an der Diskussion teilnehmen. Thomas Robinson und Daniel Boos führen im Rahmen eines Workshops in den Ansatz „Foresight-Insight-Action“ ein.

(Beitrag unter CC-BY-SA Lizenz)