Neue Ideen für das Internet of Everything und ein altes Problem

Dieses Jahr hatte ich die Möglichkeit, den Mobile World Congress (MWC) in Barcelona zu besuchen und mich vor Ort über die neusten Entwicklungen des Internet of Everything (IoE) zu informieren. Gerne möchte ich von meinen Insights berichten.

Blick auf den Kongress

Das Internet of Everything hat den diesjährigen MWC erobert. Egal ob Consumer Electronic Hersteller, Software Anbieter, TelCo oder Systemintegrator, bei allen steht das Thema ganz weit oben auf der Agenda.

Key Takeaways:

  • Das Internet of Everything soll unser Leben vereinfachen und verbessern: von der Kindheit bis ins Alter, im Privatleben sowie im Berufsleben – die Grenze ist einzig unsere Vorstellungskraft
  • Neue, frische Ideen für Smart Devices wurden vor allem von Startups vorgestellt, die oft über Crowdfunding Plattformen finanziert werden und erstaunlich viel über ihre Nutzer wissen
  • IoE Anwendungen beschränken sich nicht – wie noch vor einigen Jahren – auf einzelne Bereiche wie z.B. Smart Home, City oder Car, sondern verknüpfen auf eine intelligente Art und Weise die Smart Devices aus verschiedenen Bereichen
  • Plattformen und Interoperabilität zwischen Smart Devices sind der Schlüssel zum Erfolg des Internet of Everything
  • Wer wird das Amazon des Internet of Everything und stellt die Plattform bereit, die alle Smart Devices verbindet?
  • Auf dem MWC wurden dieses Jahr mindestens so viele IoE Enterprise Anwendungen wie Residential Anwendungen gezeigt – IoE wird zunehmend auch für Enterprises relevant

Frische Ideen für Smart Devices kommen von jungen Startups

Auf der Messe waren unzählige Smart Devices zu sehen: Glühbirnen, Luftreiniger, Zahnbürsten, Türschlösser, Autos, Toiletten usw. Gemeinsam haben die meisten Smart Devices, dass man sie über eine Smartphone-App überwachen und steuern kann. Die innovativsten Produktideen für Smart Devices wurden bei den beiden Startup Veranstaltungen IoT Starts und 4-Years-From-Now vorgestellt, welche im Rahmen des MWC stattfanden. Da wundert es einen auch nicht, dass Martin Bittner, Director Business Development von Cisco, davon ausgeht, dass über 50% der im Jahre 2020 erfolgreichen Unternehmen im Bereich IoE Startups sind, die heute noch nicht existieren.

Bei der Veranstaltung IoT Starts haben 14 Startups ihre Produktideen potentiellen Investoren im Pitch-Format vorgestellt. Besonders beeindruckt haben mich zwei Smart Devices:

LeeluuLeeluu, eine Nachtlampe für Kinder in Stofftierform, wurde von einem finnischenStartup entwickelt. Die Nachtlampe reagiert auf streicheln und soll den Kindern die Angst vor der Dunkelheit nehmen. Durch eine Smartphone-App erhalten die Eltern eine Statistik über das Schlafverhalten ihres Kindes und gleichzeitig Tipps zur Schlafverbesserung. Darüber hinaus bietet die App auch Gutenachtgeschichten zum Vorlesen. Tagsüber schläft Leeluu in seinem Nest, wo der Akku drahtlos aufgeladen wird.

Meiner Meinung nach ist das ein wirklich durchdachtes Konzept, das von der Gründerin und Mutter aus Finnland vorgestellt wurde. Dieses Beispiel macht deutlich, dass die Grenzen des Internet of Everything wohl nur durch unsere Vorstellungskraft beschränkt sind.

OASYSÔasys, ein intelligentes, an der Wand hängendes Device für die ganze Familie, wurde vom gleichnamigen spanischen Startup entwickelt und vorgestellt. Das Device, das durch seine runde Form an eine Wanduhr erinnert, ist designt, um einen zentralen Ort im Familienheim einzunehmen. Von dort aus möchte Ôasys der digitale Avatar der Familie werden und die Familiennotizzettel am Kühlschrank sowie den Familienkalender ersetzen. Darüber hinaus können Botschaften (Text, Bilder und Videos) an Ôasys, also an die Familie, gesendet werden.

Ôasys steht hier stellvertretend für die vielen Produktideen, die gerade rund um den digitalen Familienassistenten entstehen. Der Familienassistent soll uns erleichtern, mit unserer Familie zu kommunizieren und den Familienlalltag zu organisieren, und uns bei verschiedenen Tätigkeiten im Haushalt unterstützen. Die Produktvideos von Jibo (http://www.jibo.com) und Amazon Echo (http://www.amazon.com/oc/echo) veranschaulichen dies.

Das Problem des Internet of Everything

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Gemeinsam haben die meisten Smarten Devices, dass sie über eine Smartphone-App überwacht und ferngesteuert werden können. Das Smartphone wird zur Remote Control of Everything – ob sinnvoll oder nicht. Der Kunde muss heute für jedes Smart Device eine eigene App installieren und die Idee des „Simplify your Life“ wird zum Knöpfe-Drücken in den unzähligen Apps. Alltägliche Handlungen wie das Abschliessen der Tür und das Ausmachen des Lichtes werden in Wirklichkeit komplexer als jemals zuvor. Dies ist nicht „smart“ sondern „dumm“.

Einige haben erkannt, dass diese Entwicklung eine Sackgasse ist und Plattformen benötigt werden, welche die Smart Devices intelligent miteinander verknüpfen.

AT&T zeigt mit Digital Life eine Home Automation und Security Lösung, die verschiedene Smart Devices (Kameras, Türschlösser, Bewegungsmelder, Heizungs- und Wasserregler, usw.) auf einer Plattform integriert. Dabei hat sich AT&T für eine geschlossene Plattform entschieden, d.h. Devices von Drittherstellern werden nicht unterstützt. Fraglich ist, ob sich eine solche geschlossene Plattform durchsetzen kann.

Apple scheint mit ihrer IoE Plattform, dem HomeKit, einen anderen Weg einzuschlagen. Die bereits veröffentlichten APIs weisen darauf hin, dass beliebige Smart Devices sich beim HomeKit anmelden können. Damit wäre die Plattform offen für Dritthersteller und auch offen für die vielen innovativen Produktideen, die auf den Crowdfunding Plattformen entstehen. Vieles bleibt aber unklar solange das HomeKit nicht vollständig veröffentlicht ist, was vermutlich dieses Jahr stattfindet.

Festzuhalten bleibt: die vielen Smartphone Apps für Smart Devices sind eine Sackgasse für das Internet of Everyhting und Plattformen, die den Datenaustausch zwischen den Smart Devices herstellen, sind der Ausweg.

Wer stellt die Plattform und wird das Amazon des Internet of Everything?

LhingsApple HomeKit, Xively, Smartthings, thethings.io, lhings und viele mehr haben eines gemeinsam – sie wollen die Plattform für das Internet of Everything werden. In einem Gespräch hat mir Agustin Navarro, der Gründer von lhings, seine Vision der Social Internet of Everything Plattform erläutert. In seiner Vision sind alle Smart Devices verbunden und man kann Anderen Zugriff auf die eigenen Smart Devices geben und vice versa. Die Kontrolle darüber liegt beim Nutzer, so dass er selbst bestimmen kann, ob er beispielsweise seinem Versicherungsunternehmen den Zugriff auf sein Fitnessarmband erlaubt oder dem Kaffeemaschinenhersteller auf die Kaffeemaschine.

Ob sich solch eine konsumentenfreundliche Plattform durchsetzt, ist meines Erachtens fraglich.