Schweizer Kultur-Hackathon – Zugänge zum Datenbestand von Museen, Archiven und Bibliotheken

Bibliotheken, Museen, Galerien und Archive sind seit einigen Jahren dabei, ihre Bestände zu digitalisieren, was einen neuen Umgang mit dem Material ermöglicht – dafür sind nun kreative Ideen gefragt. Um die Möglichkeiten zu explorieren, hat die Arbeitsgruppe OpenGlam vom Verein OpenData zusammen mit verschiedenen öffentlichen Organisationen einen Hackathon organisiert. Hackathons sind kollaborative Veranstaltungen, bei denen Freiwillige für eine relativ kurze Zeit von wenigen Tagen zusammenkommen, um gemeinsam neue Ideen in Form von Prototypen zum Leben zu bringen. Gerade für explorative Themen sind Hackathons besonders geeignet. Denn die Offenheit gegenüber neuen interessierten und motivierten Leuten bietet einen guten Nährboden für innovative Ideen. Auch Swisscom hat schon Hackathons veranstaltet.

Zurück zum Kultur-Hackathon: Ende Februar also trafen sich in der Schweizerischen Nationalbibliothek über 100 Programmierer, Künstler, Wikipedianer, Forschende, Bibliothekare und Kulturinteressierte zum ersten Schweizer Kultur-Hackathon. Auch ich war als freiwilliges Organisationskomittee-Mitglied dabei. Über 30 Kulturinstitutionen aus der Schweiz haben uns Datensätze aus ihrer Sammlung zur Verfügung gestellt. Die Datensätze waren offen, d.h. sie konnten ohne Probleme weiterverwendet und verändert werden. Alles was damit gemacht wurde, bleibt zudem auch in Zukunft frei zugänglich. Die Datensammlung war am Schluss ein halbes Terrabyte gross. Sie besteht u.a. aus der Gugelmann-Bildersammlung der Nationalbibliothek mit mehreren tausend Bildern von Schweizer Kleinmeistern, historischen Fotos aus Zürich, bibliographischen Metadaten oder Inventaren von historischen Gebäuden.

Gemeinsam Hacken

Swiss National Library; Simon Schmid, Fabian Scherler - Eigenes Werk - CC-BY-SA

(CC-BY-SA Swiss National Library; Simon Schmid, Fabian ScherlerEigenes Werk)

Gleich zu Beginn wurden die Teilnehmenden in das Thema und das Material zum Hackathon eingeführt. Sogleich begann eine Ideensammlung, wofür man die Daten verwenden könnte und kleine Teams wurden vor Ort gebildet. Zwischen dem konzentrierten Arbeiten an den eigenen Projekten, fanden dabei immer wieder rege Gespräche zwischen den Teilnehmenden statt und man half sich gegenseitig beim Voranbringen der Projektideen. Für alles fand sich ein Experte, sei dies zu Fragen über Datenbestände, Programmiersprachen oder dem Hintergrund der zur Verfügung gestellten Daten. Die Atmosphäre an diesem Abend war nicht nur offen und inspirierend, sondern auch der Spass aller Beteiligten an der Realisation ihrer Ideen war deutlich spürbar. Ich persönlich musste mehrmals staunen, konnte einiges lernen und nahm gleich ein paar Ideen für den zukünftigen Umgang mit Bildern oder Datensätzen bei meiner Arbeit mit. Nach einer langen Nacht, viel Arbeit und Austausch wurden am Samstagabend die faszinierenden Resultate in kurzen 3-Minuten-Pitches präsentiert. Hier einige Beispiele:

Picture This

CC-BY-SA by tamberg(

(Bild CC-BY-SA by tamberg.org)

Beim Projekt „Picture This“, erkennt ein Bilderrahmen, ob jemand das Bild gerade ansieht. Betrachter und Bild werden gleichzeitig mittels Gesichtserkennung analysiert. Schaut man hin, werden vom Algorithmus ermittelte Informationen zum Bild angezeigt. Dafür wurde das Display mit einer Kamera und dem Kleinstcomputer Raspberry Pi vernetzt. Für den Prototypen wurden Polizeifotos von Carl Durheim (1810-1890) verwendet, die Obdachlose zeigen.

Historische Landkarten

http://klokan.github.io/openglambern/

Historische Landkarten aus einer privaten Sammlung (Marcel Zumstein) wurden mit Klokan georeferenziert, damit man in Zukunft auf Geodiensten wie Google Maps oder anderen neben der aktuelle Karte auch Karten aus lange vergangenen Zeiten einblenden kann. Gerne kann man noch mithelfen weitere Karten georeferenzieren.

3D Visualisierung von Gugelmann Kollektion

„Schweizer Kleinmeister - An Unexpected Journey - Bild 1“ von Mathias Bernhard, Jorge Orozco, Nikola Marincic, Sonja Gasser - http://make.opendata.ch/wiki/_detail/project:schweizer_kleinmeister:03b.png?id=project%3Aschweizer_kleinmeister%3Aan_unexpected_journey. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Schweizer_Kleinmeister_-_An_Unexpected_Journey_-_Bild_1.png#mediaviewer/File:Schweizer_Kleinmeister_-_An_Unexpected_Journey_-_Bild_1.png

(CC-BY-SA „Schweizer Kleinmeister – An Unexpected Journey – Bild 1“ von Mathias Bernhard, Jorge Orozco, Nikola Marincic, Sonja Gasser)

Im Projekt „Schweizer Kleinmeister – A unexpected Journey“ wurde die riesige Gugelmann-Kollektion wurde von einem vierer Team in einem dreidimensionalen Raum dargestellt und die Bilder wurden mittels Machine-Learning geclustert. So gewinnt man einen schnellen Überblick über die Sammlung und kann richtiggehend darin eintauchen.

Alle weiteren Projekte und ihre Status können im Wiki von Opendata angesehen werden. Die Projekte werden von einigen noch weiter entwickelt und können dann von allen genutzt werden. Der erste Schweizer Kulturdaten-Hackathon zeigt was passiert ,wenn eine motivierte heterogene Gruppe sich gemeinsam an ein Thema macht. Auch sind nun die Museen, Archive und Bibliotheken auf das Thema „offene Daten“ sensibilisiert und sehen die Vorteile, die daraus entstehen können. Daher bin ich davon überzeugt, dass ein weiterer Kultur-Hackathon folgen wird. Denn Hackathons im Allgemeinen sind ein guter Weg, um die Chancen der Digitalisierung zu verstehen.

Was für Ideen hast du zur Nutzung von gemeinfreien Digitalisaten und offenen Daten unserer Museen, Archive und Bibliotheken? Für welche Themen fändest du einen Hackathon spannend und würdest kommen?

(Lizenz des Textes und Bilder unter CC-BY-SA)