Erfahrungsbericht: Mit Bookbridge in Kambodscha

Als Teilnehmer des Bookbridge Capability 5 Programs konnte ich im März nach Kambodscha reisen, und zwar in einer aussergewöhnlichen Mission: Wir entwickelten die Idee eines mobilen Lernzentrums mit dem Ziel, in ländlichen Gebieten Kambodschas qualitativ hochstehenden Englischunterricht anzubieten. Dabei sollten zum ersten Mal auch Tablet Computer als Hilfe im Unterricht eingesetzt werden.

Es gibt ein sehr breites Angebot an Apps und Inhalten, welche zum einen im Unterricht als zusätzliche Unterstützung, zum anderen aber auch für selbständiges Lernen eingesetzt werden können. Wir haben bei der Evaluation aber schnell festgestellt, dass die grosse Mehrheit der Apps eine permanente Internetverbindung voraussetzt, um Inhalte abzurufen oder um für ein Management System erreichbar zu sein. Bei uns ist das Internet selbstverständlich und allgegenwärtig. Aber könnten wir auch in Kambodscha darauf zählen? Welche Technologie würden wir dort einsetzen können, in einem Land, wo viele Schulen im ländlichen Raum nicht einmal ans Stromnetz angeschlossen sind?

In der Region, wo wir unser mobiles Lernzentrum aufbauen wollten, gibt es zwei bestehende permanente Lernzentren. Somit hatten wir eine Basis, wo es Strom und Internetzugang gibt. Das Lernzentrum in Takeo war sogar mit einer Glasfaser erschlossen! Wir konzipierten nun ein System von Tablets und einem kleinen Server, das während des Tages autonom und batteriebetrieben funktionieren sollte. Am Abend konnten die Batterien im permanenten Lernzentrum aufgeladen und Inhalte über Internet synchronisiert werden. Damit wir Tablets, aber natürlich auch Bücher, zu den Standorten der mobilen Lernzentren transportieren können, haben wir übrigens ein Tuk-tuk mit einem Büchergestell anfertigen lassen – unser „Book-Tuk“.

Das brandneue "Book-Tuk" bringt Bücher und Tablets

Das brandneue “Book-Tuk” bringt Bücher und Tablets

Der Server stellt dabei den Tablets Inhalte über WLAN zur Verfügung, wenn keine Internetverbindung besteht: Eine komplette Offline-Kopie der Wikipedia in Khmer und die Nur-Text-Version der englischsprachigen Wikipedia. Eine OwnCloud Installation ergänzt das Setup und ermöglicht es, ähnlich wie bei Dropbox Dateien auf einfache Art zu teilen.

Raspberry Pi Konfiguration in Ang Tasaom, Kambodscha

Raspberry Pi Konfiguration in Ang Tasaom, Kambodscha

Als Server setzen wir einen Raspberry Pi ein. Damit kann für unter 100 Fr. ein vollwertiges Linux-System aufgebaut werden, das als WLAN Access Point funktioniert und über längere Zeit mit einem USB-Batteriepack betrieben werden kann. Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Wahl eines geeigneten WLAN-Dongles, da nicht alle Treiber dazu geeignet sind, um die Dongles als Access Point zu betreiben. Gute Erfahrungen haben wir z.B. mit dem LogiLink WL0084B gemacht.

Der Raspberry Pi Server mit UMTS und WLAN Sticks

Der Raspberry Pi Server mit UMTS und WLAN Sticks

Vor Ort in Kambodscha hat sich dann gezeigt, dass an vielen Orten das Mobilnetz eine gute 3G-Abdeckung hat und schnellen Zugang ins Internet ermöglicht. Ein UMTS Stick kostet um die 30$, für weitere 5$ gibt es eine Prepaid-SIM Karte mit 5 GB (!) Datenvolumen. Die letzte Hürde für einen permanenten Internetzugang für die Tablets war jedoch die Stromversorgung der UMTS-Sticks. Diese benötigen mehr Leistung, als der Raspberry Pi über seine USB Ports zur Verfügung stellen kann. Ein separater USB-Hub mit eigener Stromversorgung (und Backup-Batterie) könnte zwar genügend Leistung zur Verfügung stellen, steigert die Kosten für das Gesamtsystem aber weiter.

Obwohl zu Beginn „nur“ offline nutzbar: Die Tablets ziehen die Kinder magisch an und werden an der Eröffnungsfeier rege benutzt! Der Einsatz moderner Technologien eröffnet ihnen neue Möglichkeiten des Lernens und der Kommunikation.

Obwohl zu Beginn „nur“ offline nutzbar: Die Tablets ziehen die Kinder magisch an und werden an der Eröffnungsfeier rege benutzt! Der Einsatz moderner Technologien eröffnet ihnen neue Möglichkeiten des Lernens und der Kommunikation.

Wie werden diese Geräte, die Tablets und der Raspberry Pi Server, in Zukunft betrieben und gewartet? Es reicht natürlich nicht, in ein paar Tagen einen erfolgsversprechenden Prototypen aufzubauen und dann darauf zu hoffen, dass die Lehrkräfte vor Ort schon irgendwie herausfinden, was damit zu machen ist. Es braucht geschultes Personal mit IT-Fachwissen, welches für den Unterhalt zuständig ist und dies idealerweise als eigenes Geschäft betreibt. Zum Glück ist einer der Teilnehmer des Capability Programs während 7 Monaten vor Ort, um beim Aufbau des mobilen Lernzentrums zu helfen. Er hat bereits Kontakte zu Web Essentials in Phnom Penh hergestellt (eine Firma, welche auch für Swisscom arbeitet) und ihnen den Prototypen vorgestellt. Sie haben die Idee aufgenommen und diese an einem Wettbewerb eingereicht, der gute Ideen aus der IT-Branche mit Startkapital dotiert. Damit könnte die Idee weiter ausgearbeitet werden und ein Business Modell gefunden werden, um den Unterhalt auch in Zukunft sicherstellen zu können.