1,8 Milliarden Updates verändern erneut das digitale Ökosystem

Es ist ganz schön was los in der Online-Welt dieser Tage, spätestens seit Apple auf seiner Entwicklerkonferenz WWDC die Kernfeatures seines neuen Betriebssystems iOS9 vorgestellt hat. Es kommt traditionell im Herbst auf die Geräte – und damit innerhalb weniger Tage auf mehr als 800 Millionen iOS Devices. Google zieht wenig später mit dem neuen Android M nach – auf mehr als 1 Milliarde Devices. Und Facebook kündigt fundamentale Updates für mehr als 700 Millionen Messenger Kunden an. 1,8 Milliarden User, die von einem auf den anderen Tag eine neue Experience erleben, und damit das Modell tausender Apps und Anbieter ins Wanken bringen. Was also ist passiert?

Apple: Neben Apple Music und anderen Highlights wurde dem iOS9 ein Update der Suchfunktion Spotlight verpasst, das dank Sprachassistentin Siri, semantischer Suche, künstlicher Intelligenz und Integration auf dem Homescreen zur multisensorischen, omnipräsenten und kontext-sensitiven Allzweckwaffe wird. Zudem durchsucht Spotlight die Inhalte aller auf dem Device installierten Apps und zeigt diese in den Suchergebnissen direkt an. Für low profile Apps ohne reichen Content oder zusätzliche Mehrwerte (z.B. Nahverkehrsauskünfte), bedeutet dies eine Degradierung zum reinen Datenlieferung im Hintergrund. Der Kampf um relevanten, kontextuellen Content wird neu entfacht.

Google: Vor zwei Wochen hatte auch Google seine Entwicklerkonferenz, und kündigte exakt die gleichen Mechanismen an: der digitale Assistent Google Now wird als „Now on Tap” zum Kernelement des Betriebssystems, kann von überall via Sprache aufgerufen werden, ist kontext-sensitiv und „location aware”. Will heissen, ich kann während des Streamens eines WM-Spiels sagen „OK Google, wie viele Tore hat der da im Turnier schon gemacht”, und bekomme die Antwort.

Facebook: Hat neben der Kommunikations-Aufwertung durch Video-Calling, der Social Caller ID App „Hello” und der Integration von editorialem Content mit „Instant Article” vor allem angekündigt, den Messenger dank 3rd Party Apps zur neuen „Schaltzentrale des täglichen Lebens zu machen”. Mit diesem Matrjoschka-Prinzip will Facebook verhindern, dass die App verlassen wird und eigene Dienste genutzt und monetarisiert werden.

Nebenbei bemerkt: Microsofts vergleichbarer Assistent Cortana ist nun fester Bestandteil von Windows 10 und ab Sommer als App verfügbar auf allen iOS und Android Geräten. Und auch Amazon spielt mit, dank Home Center „Echo” mit der Sprachassistentin Alexa. Der Weg zu neuen Use Cases ist nicht weit: Autos, Uhren, Fahrstühle, Selecta-Automaten…

Was heisst das nun für uns als Telco? Zum einen eine grosse Chance, da die oben genannten „Fabulous Five” wieder einmal Standards setzen mit einer gigantischen User Experience und dem Durchbruch der digitalen Assistenten auf 1,8 Milliarden Geräten. Dies schafft Akzeptanz, Interesse und (lokale) Nischen, die Player wie Swisscom besetzen können. Zum anderen aber auch ein hohes Risiko als Wettbewerber eigener Online Dienste und Apps, sowie potentieller Seiteneffekte auf das digitale Ökosystem. Eine spannende Zeit liegt vor uns, wieder einmal…

Mehr Infos hier: https://www.youtube.com/watch?v=aUse2mr-QOo ; http://www.cnet.com/news/proactive-siri-versus-google-now-on-tap-compared/; http://www.wired.com/2015/06/smarter-search-siri-ios-9-moves-beyond-apps/; http://www.zeit.de/digital/mobil/2015-06/ios9-android-m;