Fördert Work Smart den Generationenkonflikt?

Arbeitgeber stellen sich zunehmend die Frage, wie sich neue ICT-Technologien in den Arbeitsalltag integrieren lassen. Die Generation Y, die heute in den Arbeitsmarkt vordringt und die mit dem Internet aufgewachsen ist, bewertet flexibles Arbeiten als wichtig. Die Vorstellungen vom idealen Arbeitsplatz wandeln sich. Stichwort Work Smart. Doch ist Work Smart nur etwas für die jüngere Generation? Was ist mit der Generation an Arbeitskräften, die vor den 80er Jahren in den Unternehmen gestartet ist? Bedeutet für sie weiterhin Work Smart = work hard?

Flexibles Arbeiten wird zunehmend zu einer Selbstverständlichkeit für eine ganze Generation. Laut PriceWaterhouseCooper (PwC) würden viele junge Erwachsene die flexible Wahl der Arbeitszeit einem höheren Gehalt vorziehen. Dank High-Speed Internetverbindung und mobilen Arbeitsgeräten ist flexibles Arbeiten heute schon vielerorts Realität. Dabei vermischen sich immer mehr die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit. Heute können Arbeitnehmer unabhängig und auch ausserhalb der Hauptarbeitszeiten arbeiten. Das schätzen insbesondere jüngere Mitarbeitende, die in der Ausbildung gelernt haben, dass Hausaufgaben oder Gruppenarbeiten von überall und zu jeder Zeit erledigt werden können. Doch wie gehen ältere Mitarbeitende mit diesem Kulturwandel um?

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Ist Work Smart nur etwas für die jüngere Generation?

Im Swisscom Grosskunden-Magazin Dialogue warnt der Arbeitspsychologe Peter Gugger, dass bei flexibler Arbeit ein zu hoher Fokus auf die sogenannte Generation Y vermieden werden soll: «Angesichts des demografischen Wandels wird es immer wichtiger, die älteren Mitarbeiter im Arbeitsprozess zu behalten. Ihnen wird in den offenen Bürolandschaften aber noch immer zu wenig Rechnung getragen.» Worin liegt denn die Schwierigkeit? Claudia Bardola sieht zwei Gründe: zum einen mache den älteren Mitarbeitern in den Open Spaces die noch häufig vernachlässigte Ergonomie zu schaffen. Zum anderen ist die kritische Einstellung älterer Mitarbeitenden gegenüber flexiblem Arbeiten der Tatsache geschuldet, dass alle Mitarbeitende quasi zu Nomaden werden. Oder wie es Peter Gugger formuliert: «Der ständige Ortswechsel und die immer wieder neuen Stimulationen können zwar positiv wirken, binden im Gehirn aber sowohl neurophysiologisch wie auch neuropsychologisch überdurchschnittlich viel Energie. Das kann die Leistung bei der eigentlichen Aufgabe vermindern.»

Flexibles und mobiles Arbeiten bietet aber auch Chancen, gerade für die Älteren. Avenir Suisse forderte Anfang Jahr mehr Kreativität bei „Seniorenjobs“ . So seien kreative, individualisierte Lösungen gefragt, beispielsweise in Form von Teilzeitmodellen, welche die Bedürfnisse von älteren Menschen wahrnehmen. Zeitliche Flexibilität sei nicht nur während des Tages oder der Woche denk- und wünschbar, sondern könne sich über einzelne Projekte oder Produktionsengpässe erstrecken. Studienleiter Cosandey betont, dass „Seniorenjobs“ nicht nur für gut ausgebildete Topkader mit akademischer Ausbildung möglich sind, sondern in allen Branchen, im Dienstleistungssektor wie in der Industrie, denkbar wären. Ältere Mitarbeitende sollten so eingesetzt werden, dass ihre Erfahrung am besten zur Geltung kommt.

Work Smart betrifft also nicht nur die Generation Y. Auch die Anliegen und Bedürfnisse der älteren Arbeitnehmer müssen berücksichtigt werden. Ein Dialog hierzu, und rund ums Thema Work Smart allgemein, findet diese Woche deshalb anlässlich der Work Smart Week statt. Die Initiative hat zum Ziel, Unternehmen bei der Umsetzung von flexiblen Arbeitsformen zu unterstützen und auch obenstehende Herausforderungen zu adressieren. Die Initiative setzt sich ein für

  • Die Schaffung motivierender Rahmenbedingungen für Mitarbeitende
  • Die bessere Erschliessung des Arbeitsmarktes
  • Die Smartere Nutzung der Ressourcen und Infrastrukturen

Die Gründungsmitglieder möchten Verhaltensänderungen erzielen bzw. geeignete Rahmenbedingungen schaffen, um dem wachsenden Bedürfnis nach flexiblen Arbeitsformen besser gerecht zu werden. Die Work Smart Week dient jährlich als Plattform, um sich über Work Smart auszutauschen. Und um sicherzugehen, dass neue Arbeitsformen zum Beispiel nicht nur für die Generation Y geeignet sind, sondern auch auf die Bedürfnisse anderer Gruppen eingehen.