Give and Grow: Talente, Talente!

Talente fördern und unterstützen, dabei über den ICT-Tellerrand schauen und damit das eigene Talent fit halten: Das habe ich bei einem Give&Grow Einsatz erlebt. Vielleicht bist gerade Du, liebe Leserin, lieber Leser, das fehlende Glied im Netzwerk, und kannst einem Talent einen Berufseinstieg aufzeigen?

Swisscom ermöglicht Mitarbeitern, ihre Talente für einen sozialen Zweck einzusetzen (Swisscom Give&Grow). Zum Beispiel kann man Waldwege reparieren, aber ich denke nicht, dass ich dafür besonders talentiert bin. Die Möglichkeit, mit qualifizierten Stellensuchenden ein Probe-Interview zu machen, hat mich jedoch auf Anhieb interessiert.

Stellensuchende, die aus dem Ausland zugewandert sind (oft wegen des Partners), passen oft nicht in ein gängiges Schema für eine Stellenbesetzung: Ihre Ausbildung oder die Universität selbst sind in der Schweiz unbekannt, sie haben länger nicht gearbeitet, sie steigen in einen Beruf ein, sind aber schon dreissig Jahre alt, oder sie haben überhaupt schon ganz andere, oft sehr erfolgreiche, Arbeits- und Lebenserfahrungen gemacht. Sie sprechen oft mehrere Sprachen, aber kein Schweizerdeutsch und vor allem haben sie kein Netzwerk in ihrem beruflichen Erfahrungsbereich.  Sie kennen unsere Gepflogenheiten bei Bewerbung und Interviews nicht und brauchen zum Beispiel deshalb die Gelegenheit, ein Interview zu üben.

Die Platform Networking for Jobs, die als Partnerorganisation von Swisscom diesen Einsatztag organisiert hat, begleitet solche Stellensuchende, macht sie fit für den Schweizer Arbeitsmarkt und stellt ihnen freiwillige Mentoren zur Seite, die sie auf der Arbeitssuche begleiten und ihnen ihr Netzwerk öffnen.

Am Einsatztag ging es vor allem um Probeinterviews.  Mir wurde ein Stellensuchender zugeteilt, der mich begeistert hat. Er hat sich in der Schweiz völlig neu orientiert und ein HSG-Studium in Finanz gemacht. Nur, wer stellt auf Anhieb einen Hochschulabgänger ein, der schon über dreissig ist, und bereits als erfolgreicher Berater und Verhandlungsführer in China und Lateinamerika gearbeitet hat? Dank der Platform Networking for Jobs schafft er hoffentlich den Einstieg – es würde mich nicht wundern, wenn er in 15 Jahren Finanzchef (CFO) einer Firma wäre, die intensiv mit China oder Lateinamerika zusammen arbeitet.

Im Buch von David Landes, The Wealth and Poverty of Nations, wird an vielen Beispielen illustriert, dass Länder, die ihre menschlichen Ressourcen nicht nutzen, indem sie gewisse Einwohner (und insbesondere Einwohnerinnen) vom aktiven Wirtschaftsleben ausschliessen, über kurz oder lang ihren Wohlstand verlieren. Ich will hier nicht politisch werden, aber es scheint mir ein Gebot der ökonomischen Vernunft zu sein, vorhandene Talente zu nutzen und auch einen zweiten Blick auf scheinbar nicht passende Lebensläufe zu werfen.

Für mich als ICT-„Techie“ war dieser Tag durch die Begegnung mit Menschen, denen ich sonst nie begegnet wäre, sehr spannend. Sich in andere Lebensläufe und Welten einzudenken, hält Bereiche im Gehirn fit, die ich im täglichen Beruf weniger brauche.  Ich habe mit mehreren  Stellensuchenden gesprochen – nicht immer ist die Lösung einfach.

Wer aber einer Mathematikerin ohne Berufs- aber mit viel Lebenserfahrung, einer erfolgreichen und energiegeladenen Marketingfrau im Modebusiness, oder einem bewährten Bank-Backoffice-Mitarbeiter eine Chance geben will, und dabei nicht auf perfektes Deutsch angewiesen ist, wende sich gerne an mich oder direkt an die Platform  Networking for Jobs (043 540 50 55).

Ebenso gesucht sind freiwillige MentorInnen,  die Stellensuchende begleiten und ihnen ihr Netzwerk zur Verfügung stellen.