Raum für Innovation und Kreativität

Das Brain Gym wird gerne als Beispiel für einen Raum verwendet, der Innovation und Kreativität fördern soll. Doch wie genau soll das funktionieren? Und was müssen Unternehmen beachten, wenn sie solche Räume einführen? Yann Kunkel, Human Centered Design Consultant, im Interview.

Das Brain Gym wird gerne als Beispiel für einen Raum verwendet, der Innovation und Kreativität fördern soll. Doch wie genau soll das funktionieren? Und was müssen Unternehmen beachten, wenn sie solche Räume einführen? Diese Fragen wurden am Brown Bag Lunch im BrainGym im Rahmen der Work Smart Week diskutiert. Ich habe Yann Kunkel, Human Centered Design Consultant bei Swisscom, zum Interview geladen.    

Lieber Yann, zunächst zu deiner Position, was macht denn eigentlich ein „Human Centered Design Consultant“ ?

Als Human Centered Design Consultant bei HCD Works berate und unterstütze ich Unternehmen mit Human Centered Design Methoden und Werkzeuge. Bis vor kurzem haben wir mit Human Centered Design innerhalb von Swisscom gewirkt und Abteilungen dabei begleitet, bei allen Aktivitäten die Balance zwischen den Bedürfnissen der Menschen, der technischen Machbarkeit und der Rentabilität zu behalten. Neu nutzen wir unsere Erfahrung und unser Know-how, um externe Kunden zu unterstützen. Wie machen wir das? Zum Beispiel wenn eine Firma ein neues Produkt oder eine Dienstleistung menschenzentriert gestalten möchte, selbst aber noch nie so gearbeitet hat, kreieren wir zusammen mit ihm, meistens in Form von Workshops, ein neues Kundenerlebnis. So können unsere Kunden ihre Marke stärken und sich von der Konkurrenz abheben.

Wir arbeiten auch an aktuellen Themen wie die Digitalisierung. Auch hier behalten wir den Menschen im Mittelpunkt, analysieren seine Bedürfnisse und verleihen damit solchen Projekten einen tieferen Sinn. Sehr spannend finde ich es, die Transformation von einer traditionellen Unternehmenskultur zu einer menschenzentrierten Innovationskultur zu begleiten (weil Kultur der stärkste Treiber von Innovation im Unternehmen ist). Diese Transformation setzt in einem Unternehmen unglaubliche Kräfte frei und an dieser Veränderung mitwirken zu dürfen, ist für mich jedes Mal erstens eine tolle Erfahrung und zweitens ein Privileg. Also du siehst es, als Consultant bin ich sehr vielseitig unterwegs und das finde ich echt toll!

Yann Kunkel im vierten Stock an der Genfergasse

Yann Kunkel im vierten Stock an der Genfergasse.

Wenn man an die Anfangstage von Apple, Google oder HP denkt, blitzt sogleich das Bild einer einfachen Garage auf, in der sehr erfolgreiche innovative Ideen entstanden sind. Braucht es denn wirklich ein Design für Innovation?

Definitiv, und sogar mehr als das. Wir sind überzeugt, dass Innovation nicht nur aus einer Abteilung kommen soll, sondern aus dem ganzen Unternehmen. Dafür braucht es aber die richtigen Rahmenbedingungen – wir nennen das die Innovationskultur. Diese beinhaltet Themen wie “Sinn und Zweck”,  “Mensch”, “Struktur & Prozesse”, “Strategie”, “Kennzahlen” und eben auch “Umgebung”. Ob Garage, Kreativräume oder sogar in der Natur – wichtig ist, dass die Gestaltung der Räume einen Sinn und Zweck hat und nicht “einfach so” gemacht wird. Also ohne Rahmenbedingungen wird auch in einem Kreativraum wahrscheinlich keine grosse Innovation stattfinden.

Wie ist man bei Swisscom zum Entscheid gekommen, dass es so etwas wie ein Brain Gym braucht? 

Wir haben uns die Frage gestellt, wie wir die Innovationskultur nicht nur sichtbar, sondern für jeden erlebbar machen und kamen zum Schluss, dass wir dies mit Inszenierungen in den Räumlichkeiten erreichen. Das Neue und Andersartige wird so verständlich, macht neugierig und lädt zum Nachmachen ein. Auf den ersten Blick merkt man, im Braingym ist es anders. Räume verändern die Art und Weise unserer Zusammenarbeit radikal und genau dafür steht das BrainGym.

In der ehemaligen Bollwerk-Post ist nun das BrainGym.

In der ehemaligen Bollwerk-Post ist nun das BrainGym.

Welche Methoden habt Ihr verwendet, um diesen Raum zu gestalten und auf welche Aspekte musstet Ihr Euer Augenmerk besonders richten?

Dafür haben wir unsere Methode “Hear – Create – Deliver” angewendet. In der “Hear“ Phase schaffen wir uns ein tiefes Verständnis für die Bedürfnisse der Menschen. Dafür beobachten wir, stellen Fragen und bekommen so wichtige Informationen über das, was für die Leute wichtig und sinnvoll ist. Darauf basierend gestalten wir im “Create” das Soll-Design. Hier arbeiten wir mit Hypothesen, die wir so rasch wie möglich validieren. Der Prototyp-Gedanke ist uns sehr wichtig und deshalb iterieren wir immer wieder, bis wir im “Deliver” in die Umsetzung gehen können. Besonders wichtig ist, dass die Räumlichkeiten sich mit den Bedürfnissen der Menschen immer weiterentwickeln.

Gab es Überraschungen oder Challenges, mit denen Ihr gar nicht gerechnet habt?

Überraschend ist immer wieder zu beobachten, welche Wirkung die Räume auf die Leute haben. Es gefällt nicht allen, aber bis jetzt habe ich noch niemanden erlebt, der nicht überrascht war. Da im BrainGym sehr wenig mit dem Corporate Design von Swisscom übereinstimmt, gab es da schon ein paar animierte Diskussionen. Diese sind aber nötig und am Ende haben alle davon profitiert.

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Auch die Inszenierungen sind nicht nur „einfach so“, sondern sinnbasiert.

Was ist seit dem Brain Gym in Sachen Raumgestaltung bei Swisscom passiert und wie geht es weiter?

Nach dem Braingym haben wir im 4. Stock an der Genfergasse das ProjectGym eingeweiht. Während das BrainGym für alle Mitarbeitende zugänglich ist, stellt das ProjectGym eine Umgebung dar, wo Teams über die ganze Projektdauer intensiv zusammenarbeiten können. Und diese Räume sind genau mit diesem Team-Fokus gestaltet: Die Ausstattung ist anpassbar an die aktuelle Projektphase, die Möbel (Whiteboards, Stehhocker, Material-Trolleys) haben eine aktivierende Funktion, das spielerische Ambiente erleichtert die Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Des Weiteren haben wir in Lausanne einen Raum umgestaltet und seit einigen Monaten haben wir in Zürich mit dem “Swisscom Business Campus” einen Ort geschaffen, wo wir mit unseren Kunden Co-Creation-Workshops durchführen können. Dabei verschönern wir nicht nur einfach Räume, sondern achten besonders auf den Prozess „Hear, Create, Deliver“, damit die Gestaltung sinnvoll ist.

Vielen Dank Yann, ich freue mich bereits jetzt auf weitere Räume, die Eure Handschrift tragen!