Wearables auch für technophobe Senioren?

Nun, im Verlaufe meines WG-Jahres hatte ich die Chance, mich mit den unterschiedlichsten technologischen Neuheiten im Bereich Smart Homes, Internet of Things und Entertainment auseinanderzusetzen. Bevor sich mein WG-Jahr nun dem Ende zuneigt, wollte ich die Chance nicht verpassen, mich auch dem Bereich Smart Health zu widmen.

Nun, im Verlaufe meines WG-Jahres hatte ich die Chance, mich mit den unterschiedlichsten technologischen Neuheiten im Bereich Smart Homes, Internet of Things und Entertainment auseinanderzusetzen. Bevor sich mein WG-Jahr nun dem Ende zuneigt, wollte ich die Chance nicht verpassen, mich auch dem Bereich Smart Health zu widmen.

Darf ich vorstellen – mein Grossvater

Mein Grossvater – er ist ein aktiver und unabhängiger achtzigjähriger Witwer, welcher in einer Alterswohnung lebt. Er ist ein Bilderbuch-Grossvater, welcher es geniesst, seine Enkel und Urenkel mit Geschichten aus alten Zeiten zu begeistern. Schon seit Kindstagen ist er ein passionierter Velofahrer, Bergsteiger, Skifahrer und Langläufer. Und auch heute noch verbringt er, auch wenn nicht mehr so aktiv wie früher, regelmässig die Tage auf dem Fahrradsattel oder auf der Piste. Seinem sehr aktiven Lebensstil verdankt er wohl auch seine noch immer sehr sportliche Statur und ausserordentliche Fitness. Was er in Sachen Sport an Begeisterung versprüht, gleicht er mit seiner Adaptions-Resistenz gegenüber neuen Technologien aus. Versuche, ihm ein Mobiltelefon zu seiner Absicherung schmackhaft zu machen, scheiterten oft kläglich an einfachsten Dingen, wie es aufladen zu müssen. Technologie überfordert ihn und das wird sich in der nahen Zukunft wohl auch nicht ändern.

Auch wenn er noch immer sehr autonom lebt, sorgen sich nahe Angehörige um sein Wohl, wenn dieser alleine in seiner Wohnung lebt. Das ungute Gefühl führt dann oft zu „Kontroll“-Anrufen, um ihn über seinen Gesundheitszustand auszufragen. Gut gemeint, vermittelt dies jedoch oft das Gefühl von Überwachung.

Das Bedürfnis

Betrachtet man das Ganze aus der Perspektive der Angehörigen und Senioren, kann man einerseits ein Bedürfnis nach Sicherheit über das Wohlergehen von den Angehörigen und andererseits nach Autonomie und Unabhängigkeit seitens unserer Senioren erkennen.

Das Problem

Eine Geschichte wie diese wird wahrscheinlich in ähnlicher Form vielerorts erzählt. Ebendiese Geschichten werden wohl auch in Zukunft nicht leiser, sondern immer lauter werden. Die demografische Entwicklung und dass die immer älter werdende Gesellschaft die Gesundheitskosten in die Höhe treibt und somit auch volkswirtschaftliche Konsequenzen hat, ist allgemein bekannt. Es ist eines der grossen Herausforderungen, die es noch zu lösen gilt.

Unsere Grosseltern und das Internet der Dinge

Nun, die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung erschliesst immer mehr Branchen und bringt auch eine neue Generation von Produkten und Services mit sich. Lässt man die Skepsis über die Digitalisierung des Gesundheitswesens bei Seite und betrachtet die Chancen und Möglichkeiten der vierten Industriellen Revolution, bleibt da noch immer das Problem, wie man ein Produkt für die technophobe Generation meines Grossvaters gestaltet.

Der Schlüssel ist der Mensch

Der Schlüssel dazu verbirgt sich meiner Meinung nach in der richtigen Interpretation der Bedürfnisse beider Nutzergruppen (Angehörige, Senioren). Werden die Bedürfnisse der angestrebten Zielgruppe richtig interpretiert und in Produktanforderungen übersetzt, haben bewusst mensch-zentriert gestaltete Produkte eine grosse Chance, neue Technologien in Produkte und Dienstleistungen wertbringend zu integrieren – auch für technophobe Menschen wie meinen Grossvater.

Ein erster Feldversuch

Aus diesem Grund nutzte ich meinen letzten Familienbesuch auch gleich, um meinen Grossvater mit einem solchen Gerät aus der Welt von IoT und Fitness bekannt zu machen. Ich zog mein Xiaomi Mi Band aus und gab es meinem Grossvater zum Probetragen. Interessiert hörte er mir zu, als ich ihm die Funktionen dieses Fitness-Trackers erklärte. Seine erste Frage:

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Mein Grossvater beim Wearable-Feldversuch

 

„Aber muss ich da dann auch so ein Teil [ein Smartphone] haben um das zu brauchen?“

Voilà – eine erste abweisende Reaktion gegenüber der Technologie am Handgelenk. Trotzdem war er war sichtlich angetan von der Möglichkeit, sich über das vibrierende Armband wecken zu lassen oder benachrichtigt zu werden, wenn das Telefon klingelt. Mein zweistündiger Besuch liess zwar nur einen kurzen Feldversuch zu, gab mir aber viele wertvolle Einsichten über Kriterien, die erfüllt sein müssen, um eine erfolgreiche Adoption eines solchen Produktes bei Menschen wie meinem Grossvater zu ermöglichen.

Die da wären:

  • Das Produkt und die damit verbundene Technologie sollte unaufdringlich oder gar unsichtbar sein.
  • Interaktionen mit dem Produkt sollten für den Senior auf das absolute Minimum reduziert und so einfach wie möglich gehalten werden.
  • Das Produkt sollte die Gewohnheiten und Abläufe des Nutzers kennen.
  • Das Produkt soll den Nutzern das Gefühl von Sicherheit vermitteln, ohne Kontrolle ausüben zu wollen.
  • Das Produkt soll nicht als stigmatisierendes Produkt für ‘Alte‘ wahrgenommen werden.
  • Die Produkt soll langlebig sein und in der Wartung auf ein Minimum reduziert.

Ein erstes Konzept – was wäre wenn

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Im Gespräch mit Daniel und Johannes versuchte ich herauszufinden, wie man dies denn nun technisch genau stemmen könnte. Gegeben wäre ein Wearable mit einem Pedometer, oder gar einer Herzschlagmessung, welches über Bluetooth kommuniziert. Open APIs, wie dies bei Fitbit der Fall ist, wären eine Möglichkeit, eine solche neue Lösung basierend auf existierenden Wearables auf dem Markt zu entwickeln. Des Weiteren bräuchte es im Heim des Senioren eine Art Basisstation, welches in regelmässigen Abständen die Daten des Wearables ausliest und in einen Cloud-Service (zum Beispiel ein bestehendes elektronisches Gesundheitsdossier wie evita) überträgt. Dies kann ein eigens dafür entwickeltes Gerät sein oder auf einem bestehenden System aufbauen, wie zum Beispiel eine SmartLife Box von Swisscom.

Das System überwacht und interpretiert diese und würde bei Auffälligkeiten eine entsprechende Benachrichtigung an die definierte Vertrauensperson oder ein Care-Zentrum auslösen. Voraussetzung für dieses System wäre natürlich, dass dieses lernfähig ist und die individuellen Abläufe des Senioren kennt und richtig interpretieren kann.

Für den Senioren liefert das Wearable nützliche Funktionen wie eine vibrierende Weckfunktion, eine Medikamenten-Erinnerung oder eine Anruf-Benachrichtigung.

Für die Angehörigen ist der Zugang zu Informationen über den Gesundheitszustand ihres Familienmitgliedes sowie die Möglichkeit, über Auffälligkeiten informiert zu werden, zentral.

Weiterer Nutzer des Systems könnte zum Beispiel auch der jeweilige Hausarzt sein. Dieser erhält Zugang zu den Daten seines Patienten, um bei Auffälligkeiten Präventiv-Massnahmen einleiten zu können.

Wie geht es nun weiter?

Mein Grossvater wollte sich bei meinem Feldversuch bereits verabschieden, ohne zu merken, dass er noch immer das XIAOMI Mi Band trug. Nun, vielleicht bieten Wearables in Kombination mit einem Gesundheits-Cloud-Service und einem mensch-zentrierten Produkt- und Service-Erlebnis eine grosse Chance für unsere Grossmütter und -väter, länger unabhängig und autonom zu Hause zu leben. Doch was haltet ihr davon? Bieten Wearables und andere IoT Produkte, im Kombination mit Health-Service über die Cloud, die Chance auf ein tolles neues Produkt? Habt ihr weitere Ideen? Fühlt euch frei, uns dies über das Kommentarfeld unten mitzuteilen.