Project 365d – eine Retrospektive

Der letzte Monat in der Innovations-WG der Swisscom ist bereits zur Hälfte durch und es bleiben uns noch zwei Wochen, bevor wir unsere Sachen packen und die Wohnung an die nächsten drei Bewohner weitergeben werden. Aus diesem Anlass wollte ich die Gelegenheit nutzen, nochmals mit den Gedanken durch das vergangene Jahr zu schweifen und meine persönlichen Erfahrungen zu teilen. Ausserdem möchte ich es nicht missen, über die Chancen und Herausforderungen eines solchen Projekts zu berichten.

Ein Jahr in einer WG mit zwei Wildfremden wohnen und arbeiten

Ein Jahr ist es nun her, als wir in die Swisscom ICT WG eingezogen sind

Ein Jahr ist es nun her, als wir in die Swisscom ICT WG eingezogen sind

Es war wahrlich ein Abenteuer: Die Entscheidung zu fällen, für ein Jahr mit zwei Wildfremden zusammen zu ziehen und mit diesen dann noch zusammen an einem Projekt zusammen zu arbeiten. Klingt nach viel Konfliktpotential, die meisten Befürchtungen haben sich jedoch bis auf geringfügigen und meist professionellen Auseinandersetzungen, wie z.B. über die Entscheidung, ob wir uns nun dieses oder jenes Gerät anschaffen, nicht bewahrheitet. Im Gegenteil, oft gab das Projekt auch im Arbeitsalltag ausserhalb der WG einen sicheren Ankerpunkt, wo man sich auch mal bei der Arbeit auf einen Kaffee treffen oder Anlässe gemeinsam besuchen konnte.

Die grösste Herausforderung beim Zusammenleben und -arbeiten war wohl, dass die Grenzen von Arbeiten und Privatleben im Verlaufe des Jahres zu schwinden begannen. Da ist es nur verständlich, dass sich abendliche Gespräche häufig um Swisscom drehten. Aus Unternehmenssicht kann dies natürlich ungemein interessant sein, wenn Mitarbeitende sich auch in ihrer Freizeit mit der Firma, für die sie arbeiten, auseinandersetzen – vielleicht entstehen dort ja die besten Ideen?

Design trifft auf Technik

In diesem Projekt genossen wir absolute kreative Freiheit und konnten als Gestalter frei darüber entscheiden, welchen Gebieten wir uns genau widmen. Nun eben diese Entscheidung zu treffen, ist schon mal nicht so einfach. Als wir uns dann auf bestimmte Gebiete bzw. Fokusthemen, wie wir sie nannten, geeinigt (hier auf Instangram geposted) hatten, zeigte sich, dass das Projekt mit der Zusammensetzung von Bewohnern aus Entwicklung (Hanni und Daniel) und Design (mir) ganz unterschiedliche Treiber hatte. Dies führte immer wieder zu höchst wertvollen Diskussionen über die Sinnhaftigkeit bestimmter Vorhaben.

Ich gebe hier einmal einen Auszug aus einer Diskussion zwischen Hanni, Daniel und mir beim Bau des „Buzzboards“, konkret über die sinnvollste Art und Weise, die Informationen darstellen zu lassen:

Thomas: „Wie wollen wir die Informationen für die Busfahrplandaten, und spätere andere Anwendungsbereiche genau darstellen lassen?“

Daniel: „Im Büro haben wir noch unbenutzte LCD Screen, wir können die benutzen.“

Thomas: “Wirklich? Und dann hängt da ein 20 Zoll Screen, welcher dauerhaft läuft und hinten dran kleben wir dann noch das Raspberry Pi ran? Nein, das können wir nicht bringen. Das muss in einem Produkt daherkommen, welches nicht nur als Programm auf einem Screen abläuft. Wo bleibt denn sonst das Erlebnis?“

Johannes:“Wir könnten eine LED-Matrix Screen bauen – wie es bei den Bushaltestellen zu finden ist? Wir können diese bei uns im Labor löten! Das wäre eine super spannende technischer Challenge!“

Thomas:“Klingt super. Aber ist das nicht ein bisschen viel Aufwand diesen selbst zu löten? Wir wollen ja nicht das Rad neu erfinden. Können wir das nicht irgendwo fertig bestellen?“

Wo anfangs die Welt der Technik (wir wollen die technische Challenge!) mit der Welt des Designs (Ich will das beste Produkt / Erlebnis) noch ordentlich aufeinander knallten, hat die enge Zusammenarbeit uns allen geholfen, ein besseres, gesamtheitlicheres Verständnis bei der Entwicklung eines neuen Produktes zu bekommen. Ein Hoch auf die multidisziplinäre Zusammenarbeit.

Und wo ist er denn nun – der Lebensraum der Zukunft?

Der Lebensraum der Zukunft

Der Lebensraum der Zukunft

Betrachtet man das Projekt nun aus Sicht des Projektauftrages, war es ein erfolgreicher Start mit noch unausgeschöpftem Potential.  Ein Jahr lang hatten wir nun Zeit, an einem Tag in der Woche, den Lebensraum der Zukunft zu gestalten. Neben der eigentlichen Entwicklung von wirklich neuen Lösungen, kamen bestimmte Kommunikationsaufgaben (regelmässiges Bloggen, Vorstellen des Projektes, Empfänge) hinzu. Auch wenn es nur bei einem Tag in der Woche blieb, konnten wir in diesem Jahr doch so einige Projekte anpacken. Hier eine kurze Chronik darüber, was wir in dieser Zeit angepackt haben:

Rückblickend haben wir so einige neue Technologien im Bereich Home Automation, Smart Homes, Entertainment und Smart Health angeschaut und konnten viele wertvolle Erfahrungen sammeln und mittels den Blogbeiträgen teilen. Unsere Stärke hierbei lag vor allem in der Betrachtung neuer unterschiedlicher Technologien und darin, mit ersten praktischen Erfahrungen einen Blick in die Zukunft aufzeigen zu können. Das Konzeptformat (einen Tag in der Woche) machte es jedoch schwierig, komplexere Projekte anzupacken.

Die ICT-WG als Innovationsplattform

 

Photo 14-09-15 08 54 27

Wie wir in diesem Jahr bereits beweisen konnten, bietet die ICT WG eine wertvolle Plattform, um Ideen zu spinnen und anhand von ersten praktischen Erfahrungen und Experimenten neue Innovationspotentiale aufzudecken. Die Herausforderung hier ist es jedoch, die Erkenntnisse von einem Innovations-Gefäss wie der ICT WG, wieder zurück in das Unternehmen fliessen zu lassen. Hierzu benötigt es die richtigen Prozesse und Ansätze, um solche Ideen weiterzutragen und ihnen die Chance zu geben, zu neuen Produkten und Dienstleistungen heranzureifen, welche Kunden begeistern. In dieser Hinsicht bietet die ICT WG noch ungenutztes Potential und wir hoffen, dass in der nächsten Runde dies noch besser genutzt wird.

Dankeschön und adiö!

Swisscom ermöglichte es mir, ein besonders spezielles Praktikumsjahr zu absolvieren. In diesem Jahr hatte ich die Chance, an einem einzigartigen Projekt zu arbeiten, erhielt einen Einblick in die unterschiedlichsten Bereiche von Swisscom und lernte eine Menge interessanter Menschen kennen. Wenn ich gefragt werde, ob ich so ein Projekt wieder machen würde, kann ich die Frage ohne nachzudenken mit „Ja“ beantworten. Ich bin unglaublich dankbar, dass ich diese Erfahrung machen durfte und bedanke mich bei allen Beteiligten. Ich wünsche den nächsten drei Bewohnern für ihr bevorstehendes Jahr viele Ideen, viel Erfolg und nicht zuletzt viel Spass!