Sich heutzutage der digitalen Welt zu verweigern, ist leichter gesagt als getan. Was sind das für Leute, die «offline» gehen? Ein Autor hat sie in 16 Typen eingeteilt.

Der Ökonom und Autor Joël Luc Cachelin hat sich eingehend mit dem Phänomen der Offliner befasst. Bild: Carlos Meyer

Der Ökonom und Autor Joël Luc Cachelin hat sich eingehend mit dem Phänomen der Offliner befasst. Bild: Carlos Meyer

Der Ökonom und Autor Joël Luc Cachelin sagt voraus, dass sich immer mehr Menschen der rasanten Digitalisierung verweigern werden und teilt die Offliner in 16 Typen ein. Bist du einer davon? Mache mit an unserer Umfrage und zeig uns, welcher Offline-Typ du bist.

[poll id=“19″]


 

Im Swisscom Nachhaltigkeits-Blog hat Tanja Polli mit dem Autor über sein Buch „Offliner – Die Gegenkultur der Digitalisierung“ gesprochen, worin er diesen neuen Trend zu charakterisieren versucht. Lese das Interview hier auf unserem ICT Blog.

Jöel Luc Cachelin, Smartphone und Internet gehören heute zum Alltag. Warum schreiben Sie über Offliner?

Im Schatten der Digitalisierung formiert sich eine Gegenbewegung von Menschen und Institutionen, die sich für alternative Lebensweisen einsetzen. Für ein Leben, dass nicht von Silicon Valley vorgegeben wird. Ich glaube, wir spüren alle, dass das digitale Leben Grenzen und Gefahren birgt, wir können das aber nicht immer in Worte fassen. Letztlich geht es mir darum, auf die Nebenwirkungen der Digitalisierung aufmerksam zu machen und zur Integration jener aufzurufen, die nicht hyperdigital sein wollen oder können.

Was ist problematisch daran, «hyperdigital» zu sein?

Grundsätzlich schätze ich die Vorzüge des Digitalen, die Clouds, die vielen Möglichkeiten, die Beschleunigung. Das digitale Leben ist dort problematisch, wo andere bestimmen, wie ich leben soll, Staaten, Firmen. Gefährlich ist sicherlich auch die sanfte und unsichtbare Beeinflussung unserer Bedürfnisse, Zukunftsvisionen, Vor- und Feindbilder. Nicht alle erkennen, dass die Ergebnisse in Suchmaschinen, die Timeline in Facebook oder die Preise im Online-Shop bei allen Usern anders aussehen, und dass die Anbieter durch diese Personalisierung Eigeninteressen verfolgen.

Sie beschreiben in Ihrem Buch 16 Typen von Offlinern. Gibt es diese Gegenkultur tatsächlich oder ist sie eher Wunschdenken?

Ich habe in erster Linie unterschiedliche Kritikpunkte zusammengefasst, die von unterschiedlichen Leuten gegen die Digitalisierung und ihre Treiber hervorgebracht werden. Ob daraus eine einzige Gegenkultur wird, ist die Kernfrage, die mein Buch stellt. Welche Szenarien ergeben sich, wenn das passiert? Welche, wenn das nicht gelingt? Tatsächlich wünsche ich mir eine Annäherung der unterschiedlichen Offliner, weil sie so ihre Kritik wirkungsvoller anbringen könnten. Ich glaube, dass durch das Einbinden der Extreme eine Destabilisierung des Gesamtsystems eher vermieden werden kann.

Die aktuelle Diskussion zur digitalen Überwachung zeigt: Die Mehrheit der Bevölkerung kümmert das alles gar nicht.

Ich glaube, die Bevölkerung, auch die Jugendlichen, sind heute sensibilisierter und aufgeklärter als noch vor ein paar Jahren. Es wäre zu wünschen, dass sich nun auch die Politik der Diskussion um digitalpolitische Fragestellungen annehmen würde. Die digitale Zukunft bringt Chancen, aber auch grosse Herausforderungen mit sich. Diese sollten wir lieber früher als später angehen. Je mehr ich mich mit der Digitalisierung beschäftigte, desto mehr glaube ich an die Notwendigkeit eines Updates unseres gesamten Gesellschaftssystems. Unser Bildungssystem, unsere Verwaltung oder auch unsere Umweltintelligenz genügen nicht mehr, um die Aufgaben der Zukunft bewältigen.

Sie rufen dazu auf, Einfluss zu nehmen auf die digitale Zukunft. Wie mache ich das konkret?

Richtig. Die digitale Zukunft ist nichts, das einfach passiert. Wir haben als Bürgerinnen, Kunden und Unternehmerinnen die Möglichkeit, sie mitzubestimmen. Durch Käufe belohnen oder bestrafen wir Anbieter, als Unternehmerinnen bringen wir neue Produkte und Bedürfnisse auf den Markt, und wir alle können uns in offene Innovationsprozesse einbringen. Wir sind es, die die digitalen öffentlichen Plätze auf Facebook und Co. nutzen. Nutzen wir diese als Sprachrohre, um unsere Mitmenschen zum Mitdenken und Mitdiskutieren aufzurufen.