Ein Blick hinter die Kulissen von IT: CeBIT 2016

Die CeBIT ist die Leistungsschau der IT-Branche. Dieses Jahr war die Schweiz Partnerland. Die Schweizer ICT-Industrie stand daher besonders im Rampenlicht.

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Klischee versus High-Tech: Der Auftritt der ICT-Schweiz an der CeBIT

 

ICT ist hierzulande ein bedeutender Wirtschaftszweig: Die Schweiz exportiert nämlich zwölf Mal mehr IT-Produkte und Dienstleistungen als Käse und Schokolade. Mit seiner hervorragenden Infrastruktur, renommierten Hochschulen und dem dualen Bildungssystem bietet unser Land Unternehmen klare Vorteile. Nicht ohne Grund betreibt Google in Zürich das grösste Entwicklungszentrum ausserhalb den USA, Disney eines ihrer Animationsstudios und IBM eines ihrer zwölf Forschungszentren.

Bundespräsident Johann Schneider Ammann, der an der CeBIT war, resümierte: „Die Schweiz soll ein einziger Innovationspark sein.“ Seine interessante Rede findet ihr auf Youtube.

Knochenarbeit als Basis für das Smartphone

An der weltweit grössten B2B-IT-Messe präsentieren über 33000 Aussteller aus 70 Ländern. Die CeBIT ist extrem vielfältig, aber zeitweise auch etwas trocken. Das Messegelände ist immens. Hier wird das präsentiert, was es im Hintergrund für Wirtschaft, Cloud, Internet und die ganze Kommunikation braucht. Viel Software, die die Prozesse in Unternehmen unterstützt. Software, die die ganze Logistikkette erst ermöglich, oder Software für die Autoindustrie, um aus Millionen Kombinationsmöglichkeiten genau das Modell zu liefern, das ein Kunde bestellt. Jene Geräte, die den meisten Anwendern unbekannt sind, obwohl sie zu tausenden in den Rechenzentren dieser Welt stehen – Racks, Server, Netzwerkgeräte. „Blech“, wie die IT-ler sagen.

Die CeBIT präsentiert die Vielfalt an Infrastruktur, die nötig ist, um unser Smartphone erst smart zu machen. Die publikumswirksamen sexy Endgeräte werden heute alle in Barcelona präsentiert. Das war nicht immer so. Als die CeBIT noch eine Consumer-Messe war, strömten hunderttausende nach Hannover, um die neusten Knochen von Nokia zu sehen. Ihr mögt euch erinnern: Jene unverwüstlichen Geräte wie das 3210, dessen Akkuladung eine Woche lang gehalten hat. Mein geliebtes 6210 habe ich übrigens erst vor wenigen Wochen schweren Herzens definitiv entsorgt.

 

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Ein NFC-Chip Implantat? Während der Happy Hour mit gratis Implantation.

 

Nichtsdestotrotz finden sich auch hier einige Trouvaillen. Ein besonderes Highlight ist der Drohnen-Contest. Auf einer Rennstrecke lenken die Piloten über eine VR-Brille ihre Drohnen in atemberaubender Geschwindigkeit. Seht euch das Video an. Oder das NFC-Implantat; zahlen, einchecken und Türen öffen mit dem implantierten Chip zwischen Daumen und Zeigefinger. Damit werde aus dem Internet der Dinge das Internet of Us, so der Anbieter.

Ein Rundgang auf der Messe

Zwischen den vielen kleinen Anbietern sitzen die Platzhirsche, die klotzen: Salesforce mietet eine ganze Halle, lässt Marc Sway für zwei Songs antanzen und Fanta 4 für den Abend. Die deutsche Telekom ist ebenso da, deren markantes Magenta die ganze Halle erleuchtet, und SAP, die sich geschickt mit knallgelben Taschen und Liegestühlen auf dem ganzen Gelände Präsenz verschafft.

Während die Aussteller mit ihren bereits tausendfach gezeigten Produkten mitunter für ein Gähnen sorgten, fanden sich die Zukunftsthemen vor allem bei den Hochschulen und Startups – leider jedoch fernab der grossen Stände und publikumswirksamen Hallen. Umso mehr hat der Schweizer Pavillon gepunktet: Startups, Hochschule und die etablierten Anbieter präsentierten sich Hand in Hand. Überhaupt ist die Stimmung am Schweizer Stand sehr positiv. Das liegt wohl auch daran, dass die Schweizer IT-Branche endlich die Aufmerksamkeit erhielt, die ihr gebührt.

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Jung und alt lässt sich von Virtual Reality begeistern.

 

Und eines zeigt sich auch immer mehr: In der digitalen Transformation – übrigens das Leitthema der CeBIT – gilt es die richtigen Partnerschaften einzugehen. Eine weitere Basis für den Erfolg sind die Plattformen. Die amerikanischen Multis zeigen, wie Plattformen wie Android, iOS, Uber oder Facebook ganze Industrien auf den Kopf stellen. Von daher stammt auch ein neuer Begriff für die digitale Wirtschaft: Kritiker nennen es den Plattform-Kapitalismus.

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SwITzerland digITal

 

Wachruf am Eröffnungstag

Für einige der Redner war am Eröffnungstag klar, dass Europa die erste Halbzeit der Digitalisierung verschlafen hat, obwohl die Voraussetzungen stimmen würden. Europa verliere sich gerne in Detaildiskussionen über Datennutzung, Gesetze und Regulatoren. Der ETH-Präsident Lino Guzella fasst zusammen, was viele beschrieben: „Amerika erfindet es, China kopiert es und Europa reguliert es.“ Trotz eines gelungenen Auftritts sei die Branche also gefordert, mit Bestehendem zu brechen und Neues zu probieren. Was man gestern lieb gewonnen habe, müsse man heute loslassen. Aus Telekom werde ICT, ein Grund mehr, wieso die CeBIT für uns relevant war.

Videos, Videos und noch mehr Videos von der CeBIT

Die Videos zum Switzerland Summit

Die Vorträge im Swiss Pavillon findet ihr hier.

300 Videos zur CeBIT findet ihr in der offiziellen Mediathek der Messe.