Fünf Innovationsbremsen in der Corporate Welt

Es sollte ein inspirierender Kurztrip nach Menlo Park in den Outpost von Swisscom im Silicon Valley werden, um für einmal den Puls des kreativen Unternehmer-Gewusels der hiesigen Techindustrie zu spüren. Ein Trip, wo ich die Chance erhalte, vielen Leuten die Hände zu schütteln und somit meinem Status als LinkedIn „All Star“ für einmal wieder gerecht zu werden. Doch was ich in dieser Woche erlebt habe, war noch viel mehr als nur persönliche Inspiration und Networking. In den vielen Gesprächen mit Menschen aus Corporates und Startups wurden viele Punkte eminent, welche die heutige Corporate Welt wirklich hindert, innovativ zu sein.

Steve Blank am Ericsson Silicon Valley Startup Day

Steve Blank am Ericsson Silicon Valley Startup Day

Die Highlights dieser Woche waren einerseits eine Keynote-Präsentation von Steve Blank, welcher auf eine packende und inspirierende Weise vermittelte was Unternehmen wie Ericsson oder auch Swisscom tun können, um wirklich erfolgreich Innovation zu betreiben. Ein weiteres Highlight waren die vielen Gespräche mit Menschen aus beiden Welten: der Corporate- und der Startup-Welt. Bei genau diesen Gesprächen erkannte ich, dass Corporates alle mehr oder weniger an den gleichen Dingen kränkeln, wenn es um das Thema Innovation geht. Und eben genau diese Innovationsbremsen und Ideen, wie man es anders machen könnte, möchte ich gerne mit euch teilen:

Bremse Nummer 1: Corporate Strukturen

Innovationsbereiche, welche in die Strukturen des Mutterkonzern eingebettet sind, werden einerseits durch starke Abhängigkeiten zu Business- und Support-Units (wie Security, Legal, Brand, etc.) gebremst, aber werden oft auch gleich wie andere Units geführt. Innovation wird da schnell mal zu einem Lippenbekenntnis oder gar einem gut „gestageten“ Theater.

Idee: Innovationen für mögliche neue Geschäftsfelder, oder gar disruptive Ansätze, könnte man ausserhalb der Corporate Strukturen ansiedeln (räumlich wie organisatorisch). Dedizierte Support-Funktionen (Brand, Legal, etc.). für diesen Bereich stellen, welche Projekte zum Erfolg verhelfen, statt diese zurückzubinden.

Bremse Nummer 2: Middlemanagement

Oft ist Innovation eine der Top-Prioritäten in Corporate-Umgebungen, welche vom C-Level Management auch aktiv gefördert wird. Auch ambitionierte Menschen, angesiedelt in der Basis der Unternehmenspyramide, sind oft getrieben von einem Willen, etwas verändern zu wollen. Kommt dann einmal ein vielversprechendes Projekt aus dem Innovations-Bereich, sterben solche Projekte oft wegen erhöhter Risiko-Aversität oder politisch motivierten Revierkämpfen zwischen einzelnen Unit-Leadern.

Idee: Flache Organisationsstrukturen schaffen; neue Art der Zusammenarbeit über selbstorganisierende Teams (à la Holacracy); kreative Leader heranziehen, statt nur klassische Linienführungskräfte.

Bremse Nummer 3: Keine Vision / Story

Spricht man mit Startups, dann spürt man oft diese Energie, man könne „die Welt verändern“. Sie sind getrieben von einer Vision und haben schier eine endlose Energie, alles zu unternehmen, um diese Vision wahr werden zu lassen. Corporates hingegen sind oft getrieben von klassischen, doch wenig inspirierenden Business-Zielen (x-% Marktanteile, x-Mio. CHF Umsatz, x-Downloads), welche Menschen den Sinn raubt, warum sie überhaupt tun was sie tun.

Idee: Storydoing als strategisches Werkzeug. Sprich über Sinngebung (Wieso tun wir was wir tun?) führen, statt nur über reine Machbarkeitsziele.

Bremse Nummer 4: Büro-Kontext

Jeder, der in einem innovationsnahen Bereich arbeitet und von Montag bis Freitag im gleichen Büro, mit den gleichen Menschen tagein, tagaus arbeitet, sollte sich ernsthaft Gedanken machen, ob er wirklich im richtigen Bereich arbeitet. Der klassische Büro-Kontext ist ein wahrer Innovations-Killer.

Idee: Ausbrechen und an unterschiedlichen Standorten arbeiten, oder gar ganz raus und sich in einem Coworking-Space einen Platz buchen. Nichts fördert das kreative Schaffen und somit Innovation mehr, als ein gesunder, interdisziplinärer Austausch.

Bremse Nummer 5: Nicht vorhandene Fehlerkultur

Im Silicon Valley ist Scheitern ein Attribut, dass zu jedem erfolgreichen Unternehmer gehört. In unseren Breitengraden sind Fehler um jeden Preis zu vermeiden, um eine mögliche Blossstellung zu verhindern. Dies führt dazu, dass nur wenig ausprobiert, versucht und experimentiert wird und es entsteht eine Kultur der Zurückhaltung – ein weiterer Killer für jegliche innovative Vorhaben.

Idee: Gescheiterte Versuche (und somit Learnings) als Teil der persönlichen Leistungsziele verankern. Nicht nur über Erfolge berichten, auch über gescheiterte Projekte reflektieren und was man beim Scheitern gelernt hat.


Das waren nur gerade fünf Punkte, welche ich in dieser Woche erkannt habe. Ich empfehle daher jedem, der sich im schönen Kalifornien aufhält, einen Abstecher ins Valley zu machen und über eine Konferenz, oder noch besser ein Meetup, den Kontakt zu den Menschen hier zu knüpfen. Ich verspreche, dass ihr so mit einem Rucksack voll Learnings nach Hause kommen werdet.

Habt ihr auch schon ähnliche Erfahrungen gemacht oder noch weitere Innovationsbremsen erkannt? Habt ihr Ideen, wie man auch als Grossunternehmen wirklich innovativ sein kann? Teilt mir diese doch via Kommentarfeld unten mit. Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen.