Wenn David Fairphone mit Swisscom flirtet

Das Fairphone startet eine Bewegung in der Smartphone Branche.

Wer kennt sie nicht, die Geschichte von David und Goliath: Der junge David musste zum Zweikampf gegen einen riesigen und starken Krieger der feindlichen Philister antreten. Wider Erwarten – und im Vertrauen auf Gottes Hilf – tritt David dem gewaltigen Gegner entgegen und kann ihn mit seiner Steinschleuder töten.

Die Geschichte wird immer wieder zitiert wenn scheinbar eindeutige Grössen- und Machtverhältnisse vorliegen und der Glaube an den Erfolg als einzige und letzte Stärke des vermeindlich Unterlegenen aufgeführt wird.

Fairphone: Der kleine David

Das kleine niederländische Start-up Fairphone hat sich ganz bewusst in die Rolle von David begeben. Im Wissen, dass es in der globalen Smartphone Branche viele grosse und starke Akteure gibt. Diese Goliaths würden sich zuwenig sozial und ökologisch verantwortungsvoll verhalten. Fairphone wollte als NGO die Grossen bewegen, nachhaltiger zu arbeiten. Der Versuch scheiterte. Fairphone war enttäuscht. Im Frust der Hilflosigkeit und im Glauben an eine bessere Welt hat sich Fairphone entschieden,  gegen Goliath in die Schlacht zu ziehen. Das bedeutet: Fairphone sagte: Dann bauen wir halt selber ein nachhaltiges Smartphone.

David wird Unternehmer

Der Entscheid, selbst Smartphones herzustellen war für Fairphone ein mutiger. Mit der Stärke der Idee, ein nachhaltiges Handy zu produzieren wurden in Kürze mit Crowdfunding tausense Geräte vorbestellt und bezahlt. Menschen aus ganz Europa haben mit der Vorbestellung zum Ausdruck gebracht dass sie ein Zeichen für mehr Nachhaltigkeit setzen wollen. Da stand David nun also mit dem Mut, der Idee und Geld im Sack. Bei 10’000 Vorbestellungen zum über 300 Euro waren das geschätzte 4 Millionen Franken.

David wächst

Fairphone hat es geschafft. 2014 wurde das erste Smartphone, das Fairphone1, auf den Markt gebracht. Die vielen tausend Vorbesteller wurden nach vielen Monaten endlich belohnt für ihre Unterstützung und das lange Warten – Tag für Tag wurden die Geräte nach Deutschland, Holland, Frankreich, etc. verschickt. Am meisten Geräte, im Verhältnis zu Bevölkerung, gingen in die Schweiz. Kein Zufall. Das Bewusstsein für nachhaltige Produkte ist nicht zuletzt dank der Vorreiterrolle von Migros und Coop in unserem Land stark ausgeprägt. Die grosse Schweizer Nachfrage hat sich auch beim Fairphone2 Ende 2015 wiederholt.

Fairphone 2

David trifft Swisscom

Swisscom ist seit 2013 in regem Austausch mit Fairphone. Von der ersten Begegnung mit Bas van Abel, dem Gründer und Kopf von Fairphone, weiss ich heute noch fast jedes Wort. Er hat mich beeindruckt, wie er dazumals in Bern zum vereinbarten Bier kam. Auf meine Einstiegsfrage, was für ein Handy er denn bis jetzt hatte, meinte er nur „gar keines, und ich brauche auch mein Fairphone nur zum Vorzeigen“. Ich war verblüfft. Da war David also voller Mut in die Schweiz gekommen und meinte, die Steinschleuder würde er eigentlich fast nie hervornehmen.

Die Zusammenarbeit entwickelt sich

Mittlerweile sind drei Jahre vergangen. Wir haben uns viel mit Fairphone ausgetauscht, viel getestet, Feedback gegeben, usw. Immer mit der Frage: Bieten wir das Fairphone unseren Kunden an? Wann und wie? So einfach es scheint, ist die Frage nicht zu beantworten. Klar fühlen wir uns als eines der nachhaltigsten Schweizer Unternehmen verpflichtet, Initiativen wir das Fairphone zu unterstützen. Sicher gibt’s auch bei unseren Kunden viele, welche das Fairphone wollen. Aber kann und will Fairphone mit uns zusammenarbeiten? Als Start-up haben sie sich verständlicherweise nicht prioritär um komplexe europaweite After Sales Prozesse gekümmert und können nicht mit der gleichen Finanzkraft wie Apple und Co den Markteintritt unterstützen.

Swisscom ist David und Goliath gleichzeitig

Mit der Lancierung des Fairphone2 im März 2016 bietet Swisscom das Gerät an; mit und ohne Abo, für Kunden und Nicht-Kunden. Für die Markteinführung haben wir die Partnerschaft mit digitec gewählt. Als Anbieter mit dem grössten Marktanteil erhoffen wir uns, dass viele Kunden das Fairphone als neues Gerät wählen und damit die Bewegung von Fairphone unterstützen. Denn eines ist ganz entscheidend: Obwohl Swisscom in der Schweiz oft als Goliath wahrgenommen wird, sind wir im globalen Smartphone Geschäft ein kleiner David. Darum sehen wir uns verpflichtet, gemeinsam mit Fairphone und anderen mutigen Akteuren in die Arena zu gehen. Wir glauben an den Erfolg. Let’s start a movement.