Tiny Habits – die Macht des Triggers

Wie steigere ich meinen täglichen Wasserkonsum? Anhand eines persönlichen Experiments zeige ich, wie man sogenannte Trigger (Auslöser) dafür einsetzen kann, um das Verhalten eines Menschen nachhaltig in eine Richtung zu lenken.

Ich habe mir im Laufe der Jahre, in denen ich mich mit Gamification beschäftigte, alles mögliche an Theorien zu Gemüte geführt: allgemeines zur Motivationspsychologie, einige Texte von Daniel Pink, Bartels Spielertypen, Bedürfnispyramiden, Sebastian Deterding, Jane McConigal, …
Am Ende hat sich mir manifestiert: das einzige, was man anfangs wirklich wissen muss, um Gamification zu verstehen, ist das Konzept des „Triggers“.

Erklären will ich das anhand eines Selbstexperiments, dass ich vor 4 Jahren durchgeführt hatte. Ich trinke zu wenig Wasser durch den Tag. Ein Problem, das viele Büroarbeiter haben, da die Arbeit nicht mit körperlicher Arbeit verbunden ist und der Körper nicht direkt nach Wasser ruft. Nicht dass mein Arbeitgeber mir nicht an jeder Ecke einen Wasserspender zur Verfügung gestellt hätte! Im Gegenteil, die Rahmenbedingungen waren vorhanden, nur bei der Umsetzung haperte es.

Ich stiess zu dieser Zeit auf BJ Fogg, Professor an der Stanford University. Sein simples Konzept der “Tiny habits” bringt mehr oder weniger alles auf denn Punkt, was all die Gamification-Theorien in tausenden Sätzen vermitteln wollen: wenn du das Verhalten eines Menschen nachhaltig verändern willst, musst du in kleinen Schritten vorgehen.

Du musst

  1. konkret werden bei der Definition des gewünschten Verhaltens
  2. es dem Protagonisten einfach machen, das Verhalten anzueignen
  3. einen Auslöser (“Trigger”) mit dem gewünschten Verhalten verknüpfen.

Punkt 1 und 2 sind einfach verständlich. Im Punkt 3 mit dem Trigger liegt der Kern. Man betrachte jegliche Aktion, die ich während des Tages ausführe, als Folge einer vorhergehenden. Ich erwache, wenn ich meinen Weckerton höre. Ich schalte mein Handy vom Flugmodus auf Normalbetrieb, nachdem ich den Wecker abgeschaltet habe. Und so weiter. Mein ganzer Tag setzt sich aus einer Kette von Verhaltensmustern zusammen, die ich mir über Tage, Monate, Jahre angeeignet habe. Wenn ich bei jeder Aktion gezielt überlegen müsste, was ich als nächstes tue, bräuchte ich bereits Feierabend, wenn ich in der Küche bei der Kaffeemaschine ankomme.

Womit wir wieder beim Thema sind: das Kaffeetrinken hilft mir unterdessen beim Wassertrinken. Ich habe mich aus Neugierde bei BJ Fogg in seinen Tinyhabits-Sessions beteiligt, um mein Wasserproblem zu lösen. BJ Foggs erste zwei Punkte (konkrete Zielsetzung und Einfachheit) waren schnell abgehakt. Beim dritten Punkt, dem Trigger (Auslöser), brauchte es etwas länger. Was mache ich während des Tages bereits in der fürs Wassertrinken gewünschten Regelmässigkeit? Jawohl, Kafeetrinken! Der Espresso ist fixe Routine in meinem Tagesrhythmus, man könnte sogar von einer körperlichen Abhängigkeit sprechen: Die ideale Voraussetzung, um als Trigger zu dienen. Bei jedem Espresso, den ich mir ziehe, fülle ich mir mein Glas randvoll mit Wasser, leere es, fülle es nochmal und nehme das Glas zusammen mit dem lecker duftenden Espresso an meinen Platz.

Das Verhalten zu festigen braucht natürlich Übung, aber dank des Triggers hat sich der Automatismus bereits am Ende des zweiten Tages eingestellt. Und ist mir bis heute geblieben, ohne Nachdenken zapfe ich mir beim Kaffeeholen immer gleich eine zünftige Menge an Wasser.

Natürlich sind auch andere Aspekte wie Flow, Belohnung, ‘Karriereleiter’, usw. wichtig und entscheidend für die erfolgreiche Ausgestaltung eines gamifizierten Nutzererlebnisses. Um ein Beispiel aus der Praxis zu bringen: Das Online-Kundencenter ist für den Kunden wie auch für die Swisscom ein Vorteil in punkto Effizienz und Zeitaufwand. Es wäre also gut, den Kunden an die regelmässige Nutzung des Kundencenters zu gewöhnen. Allerdings ist die monatliche Kontrolle der Rechung ein schlechter Trigger, bei dem sich mangels Häufigkeit kein Verhaltenswechsel einstellen wird. Darum ist dieser Bereich eher schwieriges Terrain für Gamification.

Ein Superuser der Swisscom Support Community hingegen geht mehrmals täglich auf . Dieses Verhalten hat gleich mehrere Trigger: Die Neugier des Superusers an den Aktivitäten der anderen Teilnehmer in der Community, und vor allem die Email-Benachrichtigungen bei neuen Fragen, neuen Kommentaren, neuen Lösungen. Dank den Triggern der ideale Nährboden für Gamificationelemente!

Darum merkt euch: bevor ihr euch in Gamification stürzt, oder Arbeitsabläufe in der Firma spielerisch auflockern wollt: Prüft euer Vorhaben mit den drei Punkten der Fogg Methode: konkretes Ziel, Einfachheit, Verknüpfung mit einem Trigger (der natürlich, aber auch künstlich herbeigeführt sein kann) und befolgt das Prinzip der Tiny habits: Nur was in kleinen Schritten gefestigt wurde, hält auch für längere Zeit!

Zur weiteren Vertiefung empfehle ich den TEDx Talk von BJ Fogg.