Hackdays 2017: The Future of Media Consumption

SRG und Swisscom haben Anfang Februar zu einem Hackathon eingeladen, um die Mediennutzung der Zukunft zu beleuchten. Über 150 Hacker kamen. Zwei Standorte, 30 Stunden Hacking. Wem gebührt am Ende der begehrte 8-Bit Pokal?

SRG und Swisscom haben Anfang Februar zu einem Hackathon eingeladen, um die Mediennutzung der Zukunft zu beleuchten. Über 150 Hacker kamen. Wem gebührt am Ende der begehrte 8-Bit Pokal?

Kurz vor neun Uhr morgens, eigentlich keine typische Uhrzeit für Computer-Nerds. Dennoch ist der Foyer des Zürcher SRG-Fernsehstudios gut besucht von Menschen und ihren Notebooks. Nachdem sich alle mit Lanyard, Namensschild und Welcome Kit ausgestattet haben, geht es die verschlungenen Gänge entlang bis zum Studio 2. Dort nehmen die Hauptpersonen nicht auf der Bühne, sondern an den vielen runden Tischen Platz. Auf jedem Tisch ein Netzwerk-Switch und jede Menge Kabel. Die riesige Anzahl Deckenscheinwerfer des Studios kauert still wie wartende, schwarze Aliens über den Köpfen.

Über den Röstigraben hinweg

Auch bei RTS in Genf strömen die Hacker in den Saal. Die Live-TV-Übertragung auf Grossleinwand zwischen Zürich und Genf ist geschaltet. Nach kurzer Begrüssung pitchen dann die Hacker noch um Mitstreiter für ihre Projekte. Viele sind schon als Gruppe mit einer Idee im Kopf angereist. Über dreissig Projektgruppen werden es am Ende sein.

Hacker an Tischen vor Grossleinwänden

Projektgruppen im Studio 2 in Zürich

Es gibt Gruppen von Swisscom, Gruppen aus dem SRG-Universum von SRF, RTS, tpc, SwissTXT, sowie aus anderen Grossunternehmen. Auch Hacker aus der Startup-Szene sind dabei. Einige gemischte Gruppen finden sich spontan. Dann geht es es ans Hacking: Zugriffe auf APIs, die nur für die Hackdays geöffnet wurden, werden verteilt, Entwicklungsumgebungen werden gestartet, Diskussionen und Skizzen an Flipcharts entstehen.

APIs, APIs, APIs

„Standing on the shoulders of giants“ ist heute im Software-Business selbstverständlich: Die meisten Teams stützen sich auf mächtige APIs, wie die Content-Bibliothek von SRG, Services für Machine Learning oder Chat Engines. Die Swisscom TV-Box wird genauso eingebunden wie die Alexa-Spracherkennung von Amazon. Die tut sich indes schwer, den richtigen TV-Sender auf Zuruf auszuwählen: SRF1 findet sie nur, wenn man ihr erklärt, wie sie auf „Ess Arr Aff Aynz“ reagieren soll. Es gibt also noch Potential für mehr künstliche Intelligenz.

The Social Hack

Hackdays-Gruppen aus der VogelpersektiveAngetrieben werden die Teilnehmer von einem schier unerschöpflichen Angebot an „Hacker-Brause“ auf Mate-Basis – sie ist seit Jahren Kultgetränk bei allen Anlässen, an denen die Menschen ein wenig blasser als die Durchschnittsbevölkerung sind. Aber auch vom Catering sind alle begeistert: Es gibt nicht nur das obligate „Hack“fleisch, sondern alles, um gesunde Kalorien in schnellen Code zu verwandeln.

Die Teams tauschen sich aus und geben sich gegenseitig Previews ihrer Zwischenergebnisse: Manche versuchen, mit Machine Learning eine andere Sicht auf Mediendaten zu gewinnen, andere hängen Systeme und Datenbanken zusammen, die bisher nicht verknüpft wurden, andere explorieren die menschliche Wahrnehmung und machen sich Gedanken über die Psychologie eines Fernsehabends. Die Gruppen, die neben den Spracherkennunggruppen arbeiten, zucken bereits leicht zusammen, sobald sich zum Test sich die immer gleichen Signalwörter in subtiler Abwandlung stets wiederholen – so lange, bis das mitunter störrische Gerät Verständnis zeigt.

Abends leert sich das Studio. Viele Teams sind gut vorangekommen und machen Feierabend. Nur wenige Hartgesottene campieren im Schlafsack neben dem Rechner. Wer hat schon mal in einem TV-Studio übernachtet?

Feinschliff

Der nächste Vormittag  geht schnell vorbei – Endspurt. Es gilt, die Arbeitsergebnisse präsentationsfähig zu machen. Manches Team muss Abkürzungen nehmen und gewisse Funktionen „hart verdrahten“, damit das Konzept vorgeführt werden kann.

14:00 Uhr. Die Studios füllen sich noch ein wenig mehr, als Medieninteressierte und Manager von SRG und Swisscom Platz nehmen, um die Ergebnisse der Hackdays zu begutachten. Ist das next Big Thing für die Medienbranche darunter? Projekte, die man gemeinsam weiterverfolgen könnte? Eine Bereicherung für das bestehende Angebot?

Fünf Minuten hat jedes Team für ihre Präsentation. Das Publikum muss verstehen, was es da eigentlich sieht, was der Beitrag des Teams ist und am besten noch, wie das Ergebnis zustande kam. Die Standorte wechseln sich ab: Hat in Zürich ein Team präsentiert, startet gleich darauf das nächste Team in Genf. Vieles Erstaunliche wurde realisiert: Eine Sprachsteuerung für Swisscom TV, die sekundengenau zu einem bestimmten News-Beitrag der SRF Tagesschau auf dem Swisscom TV springt; Gemeinsames Fernsehen, obwohl man an unterschiedlichen Orten ist, indem beide TVs jeweils gleichzeitig auf den gleichen Sender zappen oder Chatten mit dem TV-Programm. Auch VR durfte natürlich nicht fehlen.

And the Winner is…

Holzpokale in 8-Bit-Optik vor Hackdays-Banner

Lohn der Mühen: 8-Bit-Pokale

Doch den begehrten Pokal gewann nach dem Online-Voting ein Team aus den Niederlanden: In der App TVtter, mit der man durchs TV-Programm zappt, kann man zum aktuellen Programm chatten und liken / disliken. Auf den beiden zweiten Plätzen EmojiNews, das News-Meldungen in wenigen Emojis zusammenfasst und ShowQuiz, das man über den Teletext-Nachfolger HbbTV spielen kann.
Auf den dritten Platz schaffte es RTS Le Jeu, ein schnelles Multiplayer-Spiel auf Basis von Medieninhalten.

Bei so viel Kreativität ist eine  Fortsetzung fast schon gesichert. Auf zu den nächsten Hackdays!

Bildnachweis alle Fotos: SRF/Oscar Alessio