Die drei Phasen des Bewerbungsgesprächs: Tipps von Swisscom Sourcing Experten

Welche Vorbereitung kann ich für das Bewerbungsgespräch treffen? Wie verhalte ich mich während des Austausches? Was kann ich tun, um auch nach dem Gespräch einen positiven Eindruck zu hinterlassen? Diese Fragen beschäftigen viele Arbeitssuchende, sobald sie zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen sind. Im Interview mit David Luyet, Head of Talent Attraction, und Stefan Tscherfinger, Talent Attraction Manager, teilen die beiden Swisscom HR Experten ihre persönlichen Empfehlungen zu den drei Phasen des Vorstellungsgesprächs.

Phase 1: Vor dem Bewerbungsgespräch

I: Was können die eingeladenen Bewerbenden vor dem Interview tun, um einen guten ersten Eindruck zu hinterlassen?

David: Da sind die Präferenzen natürlich individuell, aber ich schätze es sehr, wenn ich merke, dass die Kandidaten sich auf das Gespräch vorbereitet haben. Ich hatte schon Bewerbende, die Swisscom nur als Telekommunikationsunternehmen bezeichnet haben. Wenn man sich für eine Stelle bei Swisscom interessiert, sollte einem schon bewusst sein, dass wir ebenso zu den grössten IT Arbeitgeberinnen der Schweiz zählen. Ich erwarte nicht, dass die Kandidaten Kennzahlen auswendig kennen, aber ein umfassenderes Verständnis der Unternehmung sollte vorhanden sein.

Stefan: Ich habe schon häufig Anfragen erhalten, in welchen gefragt wurde, wo man sich denn bewerben solle, obwohl dies im Inserat ersichtlich ist. Daher fällt es mir stets positiv auf, wenn sich die Bewerbenden wie geschildert durch den Bewerbungsprozess navigieren. Dies zeigt mir, dass sie sich mit der Stelle auseinandergesetzt haben.

I: Wie wirkt es auf dich, wenn sich Kandidaten vorab telefonisch melden?

Stefan: Haben die Bewerbenden spezifische Fragen zur Stelle, so können sie gerne zum Hörer greifen. Allerdings: nur einen Anruf tätigen, damit man sich bereits einmal gehört hat, bringt aus meiner Sicht keinen Mehrwert.

I: Wie flexibel dürfen die Bewerbenden bei Terminvorschlägen sein?

David: Wir erwarten nicht, dass Kandidaten jederzeit verfügbar sind. Dennoch ist es hilfreich, wenn sich die Kandidaten flexibel zeigen.

Stefan: Wenn mehrere Terminvorschläge nicht passen, lohnt es sich, die Initiative zu ergreifen und seine Möglichkeiten aufzuzeigen. So habe ich bisher in den meisten Fällen unmittelbar einen Termin vereinbaren können.

I: Darf ein Interview kurzfristig verschoben oder sogar abgesagt werden?

David: Bei einem unvorhergesehenen, wirklich wichtigen Ereignis oder bei Krankheit ist es selbstverständlich, wenn der Termin auch kurzfristig abgesagt wird. Mir persönlich ist es allerdings wichtig, dass man zum Hörer greift und informiert, sobald einem bewusst ist, dass der Termin nicht stattfinden kann.

I: Wenn man verschläft, hat man dann noch eine realistische Chance auf die Stelle?

Stefan: Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass wir auch Leute eingestellt haben, die beim ersten Gespräch verschlafen haben. Bei solchen Themen währt Ehrlichkeit am längsten.

David: Für mich persönlich ist es eher ein No-Go. Wenn das Interview jedoch herausragend ist, wird das Verschlafen der Anstellung nicht im Wege stehen.

 

Phase 2: Während des Bewerbungsgesprächs

I: Welche Wirkung erzeugen Kandidaten, die bei heissem Wetter in einem «legeren» Outfit erscheinen?

David: Grundsätzlich begrüsse ich ein Business Casual Outfit. Ich würde behaupten, dass man bei Swisscom an einem heissen Tag durchaus etwas luftigere Hosen tragen kann, jedoch würde ich egal bei welchem Unternehmen keine Shorts für ein Vorstellungsgespräch empfehlen.

Stefan: Bei Unsicherheiten helfen gerne unsere Talent Attraction Managers weiter. Gewisse Bereiche bevorzugen einen Anzug, für andere ist ein Aufritt im Polo völlig zufriedenstellend. In allen Fällen gilt es jedoch, niemals in der verrissenen Jeans aufzutauchen 😉.

I: Wird es bevorzugt, wenn Kandidaten einen Laptop oder einen Notizblock bei sich haben?

David: Meistens sitzen wir seitens Swisscom selbst mit dem Laptop dort, daher haben wir auch nichts gegen einen Laptop einzuwenden. Ich finde ein Tablet eine gute Zwischenlösung.

Stefan: Ehrlich gesagt bin ich froh, wenn die Kandidaten überhaupt etwas dabeihaben, um sich Notizen zu machen. Ich sehe es nicht als Nachteil, wenn man sich für eine digitale Variante entscheidet, solange man nicht permanent in den Bildschirm starrt und sich nicht von neuen E-Mails ablenken lässt. Dennoch sollte man im Hinterkopf haben, dass bei einem Notizblock der Akku nicht plötzlich leer ist 😉.

I: Wie sollte man auf Fragen zu Lücken im Lebenslauf reagieren?

David: Dass Lücken im CV etwas Tragisches sind, ist eine veraltete Einstellung. Es ist jedoch wichtig, dass man grössere Lücken benennen kann. In diesem Fall sind Lücken absolut legitim; wenn man zum Beispiel auf Reisen war oder sich in dieser Zeit um ein Familienmitglied gekümmert hat.

I: Gibt es Fragen, die Bewerbende lieber nicht stellen sollten?

Stefan: Ja, das ist ziemlich klar. Wenn die erste Frage lautet: “Wie viel verdiene ich und wie viele Ferientage gibt es?”, finde ich das doch sehr speziell und hinterfrage nochmals, was denn genau das Interesse des Kandidaten ist. Zwar ist es schon so, dass Ferien und Lohn wichtige Punkte sind, aber ich würde nicht gleich mit diesen Themen starten. Das rückt sonst die Motivation für die Stelle in ein etwas anderes Licht.

David: Grundsätzlich können die Kandidaten jede erdenkliche Frage stellen, die mit der Vakanz zusammenhängt. Allerdings stimme ich Stefan zu, was die Lohnfrage angeht, denn diese wird im Bewerbungsprozess sowieso seitens des Arbeitgebers thematisiert werden.

 

3. Phase: Nach dem Bewerbungsgespräch

I: Gibt es nach dem Bewerbungsgespräch eine Möglichkeit einen guten Eindruck zu hinterlassen?

Stefan: Kandidaten die aktiv zuhören und sich die vereinbarten “nächsten Schritte” zu Herzen nehmen, hinterlassen bei mir einen positiven Eindruck.

David: In meinen Augen gibt es nach dem Gespräch nicht wirklich eine Möglichkeit, Einfluss auf die Entscheidung zu nehmen. Möchten Kandidaten dennoch ein Feedback via Mail nachreichen, empfehle ich, das Gespräch zu reflektieren und wesentliche Eindrücke hervorzuheben.

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